Neue Gas-Hochdruckleitung verbindet Spenge und Bünde

Optimierte Planung und Verlegung sind auch kurzfristig möglich

Die Gasversorgung in der Stadt Spenge war bis September 2010 durch eine in die Jahre gekommene Übernahmestation als Insellösung von der Energie- und Wasserversorgung Bünde (EWB) gewährleistet. Um die umfangreiche Sanierung dieser Station zu vermeiden und um die im Jahr 2004 begonnene Optimierung und Effizienzsteigerung der Hochdruckleitungssysteme abzuschließen wurde über eine Strecke von ca. 8 km eine neue Gas-Hochdruckleitung von Bünde nach Spenge gebaut. Dabei gehörten die extrem kurze Planungs- und Realisierungsphasen und die unter- und oberirdische Infrastruktur zu den größten Herausforderungen.

Im Jahr 2004 entstand die Idee zum Bau einer Gashochdruckverbindung mit einem Betriebsdruck von 8,0 bar vom bestehenden Hochdrucknetz in Bünde zur bisherigen Inselversorgung in Spenge. Für den Neubau der Leitung sprachen u. a. die anstehenden Sanierungen an der bestehenden Gas-Übernahmestation in Spenge aber auch der notwendige Rückbau der vorhandenen Hochdruckleitung DN 200 ST aus dem Jahr 1969. Für eine vernünftige Trassenlösung wurden die Hauptaugenmerke auf die Baulängen, auf Art und Wertigkeit der Oberflächen und auf die Besiedelungsdichte gelegt. Zudem sollte ein Trassenverlauf an Bundes- und Landstraßen vermieden werden, um Verkehrsbehinderungen und kostenintensive Oberflächenwiederherstellungen zu vermeiden. Des Weiteren stand auf Grund der Lage des Konzessionsgebietes nur ein begrenzter Korridor zur Verfügung. Dennoch war die Kreuzung dreier Ferngasleitungen, eine Flusskreuzung (die Else) und mehrere Bachlaufkreuzungen nicht zu vermeiden. Nach der Festlegung des Verlaufs und unter Berücksichtigung der Ergebnisse der durchgeführten Rohrnetzberechnungen wurde entschieden, die neuen Rohrleitungen in DN 200 zu verlegen.


Rohre für technisch anspruchsvolle Rahmenbedingen

Parallel wurde die Materialauswahl diskutiert: aufgrund der geringeren Bauzeit und -Kosten gegenüber Stahlrohren sprach letztlich alles für Rohre aus Polyethylen. Neben den wirtschaftlichen Aspekten hatte ein Höchstmaß an Sicherheit für den Bau und den Betrieb dieser Leitung oberste Priorität. Durch die Bodenbeschaffenheiten wie felsiger Untergrund bei der gewählten Trasse sowie erforderlicher Querungen, fiel die Wahl auf Schutzmantelrohre aus Polyethylen, Fabrikat egeplast SLM RCplus. Dieses Rohrsystem hat zusätzlich zur drucktragenden Rohrwand einen aufextrudierten Schutzmantel und kann somit auch bei schwierigen Bodenverhältnissen ohne Sandbettung oder grabenlos verlegt werden. Nachgewiesen ist die Eignung dieser Rohrsysteme für solche Einsatzzwecke durch die uneingeschränkte Zertifizierung nach PAS 1075. Schutzmantelrohre entsprechen dem Typ 3 der Klassifizierung nach PAS.

Unter Beteiligung des Rohrherstellers wurde ein Gesamtkonzept erarbeitet, bei dem im Bereich der Horizontalbohrstrecken ein zusätzlicher Sicherheitsbaustein mit der Verwendung des SLM-DCT- Rohres eingebaut wurde: bei diesem Rohrsystem kann durch integrierte Leiterbänder zwischen Rohrwand und Schutzmantel zusätzlich die Leitung nach der Verlegung auf Nichtbeschädigung überprüft werden.

Nach Ausschreibung der Bauleistungen stand mit der Firma PRT Rohrtechnik Spenge GmbH ein leistungsfähiges und qualifiziertes Fachunternehmen aus der Region für dieses Projekt zur Verfügung.

Reibungslose Bauausführung

Im April 2010 begannen die Baumaßnahmen und verliefen dank der guten Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber, Auftragnehmer und Rohrhersteller sowie des optimalen Wetters reibungslos. Auch der teilweise felsige Untergrund war kein großes Hindernis, so dass Mitte August 2010 die gesamten 7940 m bereits verlegt waren. Mit der Lieferung der neuen Gas- Druckregel- und Messanlage, die zur Regelung des Vordrucks von 8,00 bar auf den im Hochdrucknetz von Spenge verwendeten Druck von 4,00 bar benötigt wurde, war ein weiterer Meilenstein gesetzt.

Somit musste nur noch die letzte Hürde genommen werden. Durch einen Fußweg wurde auf einer Länge von ca. 280 m eine SLM RCplus-Leitung der Nennweite OD 355 mm verlegt. Auch hier verlief die Verlegung reibungslos. Nach erfolgter Druckprüfung konnte Anfang September 2010 mit der letzten Einbindung in Spenge die Leitung in Betrieb genommen werden.

Insgesamt versorgt die EWB rd. 90 000 Einwohner der Orte Bünde, Rödinghausen, Kirchlengern und Spenge mit Erdgas. Die Gesamtfläche des Gebiets beträgt ca. 170 km², die Rohrnetzlänge der Gasleitungen in diesem Gebiet beträgt dabei 450 km. Dabei blickt das Unternehmen auf eine 120-jährige Geschichte in der Gasversorgung zurück.n

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