Natur geschützt und Kasse geschont

Ebermannstadt setzt auf den Memory-Effekt

Zwei Haltungen eines Abwasserkanals mit der Nennweite DN 500 hat die Diringer & Scheidel Rohrsanierung GmbH & Co. KG in Ebermannstadt mit dem Compact Pipe-System saniert. Die Stadtverwaltung und die für die Planung zuständige Peter Balling Ingenieurbüro GmbH haben sich aus bautechnischen und wirtschaftlichen Erwägungen für dieses spezielle Verfahren entschieden.

Beim Einsatz von Compact Pipe wird ein c-förmig vorgeformtes HDPE-Rohr in eine gereinigte Haltung eingezogen. Druck und Wärme sorgen dann beim weiteren Arbeitsablauf dafür, dass der Inliner sich durch den so genannten Memory-Effekt „close-fit“ an die Innenwandung des alten Rohres legt.

Zu den nennenswerten Vorteilen zählt neben der kurzen Einbauzeit der Umstand, dass im Gegensatz zum offenen Rohrleitungsbau Aufgrabungen in der Regel entfallen. Damit halten sich die Beeinträchtigungen für die Anwohner sowie den Fußgänger- und Straßenverkehr in akzeptablen Grenzen. Aber auch das Bauumfeld wird bei dem grabenlosen Verfahren weitestgehend geschont. Eine wichtige Voraussetzung für die Tiefbaumaßnahme in Ebermannstadt. Denn die zu sanierenden Haltungen des maroden Abwasserkanals kreuzen auf ihrem Weg zur städtischen Kläranlage nicht nur die vielbefahrene Bundesstraße B 470, sondern auch die als Naturschutzgebiet ausgewiesene Flussaue der Wiesent.

Die Schäden an dem alten Abwasserkanal aus Betonrohren in der Nennweite DN 500 waren beträchtlich. Neben den der Nutzungsdauer entsprechenden typischen Schadensbildern – hierzu zählte in erster Linie eine starke Korrosion – trugen undichte Muffen und Schächte zu einem starken Wassereintritt bei. Die Verantwortlichen der Stadt und des an der Planung beteiligten Ingenieurbüros entschieden sich bei der Auswahl des geeigneten Sanierungsverfahrens für eine Auskleidung der beschädigten Haltungen mit dem Compact Pipe-System. Damit trug der Auftraggeber den besonderen Rahmenbedingungen der Baumaßnahme Rechnung, zu denen neben speziellen technischen Anforderungen auch Aspekte des Naturschutzes zählten.

Aufwändige Wasserhaltung

Da es sich bei der Bundesstraße um eine Hauptverkehrsader in die fränkische Schweiz handelt, verliefen die Sanierungsarbeiten unter rollendem Verkehr. Dementsprechend konnte nur ein Fahrstreifen für die benötigte Baustellenreinrichtung gesperrt werden. Die Startgrube für den Einzug des Compact Pipe-Systems befand sich unmittelbar im Böschungsbereich zwischen Straße und Flusslauf. Auch die Wasserhaltung war äußerst aufwändig: Während der Auskleidung der beschädigten Kanalabschnitte wurde das Abwasser über ein doppelt gesichertes Rohrsystem abgepumpt, für das zur Querung der Wiesent eigens eine Behelfsbrücke mit einer Spannweite von rund 25 m errichtet werden musste. „Um Fluss und Uferbereiche vor Verunreinigungen zu schützen, wurden die Schläuche der Pumpen zusätzlich noch mit PVC-Rohren ummantelt“, erklärt Dipl.-Ing. (FH) Daniel Korczinski, Bauleiter, Diringer & Scheidel Rohrsanierung GmbH & Co. KG, NL Nürnberg.

Vor dem Einzug des neuen Rohres überprüften die Arbeiter das zu sanierende Rohr auf seinen Zustand und führten eine Reinigung durch. Danach wurde ein Zugkopf an den PE-Rohrstrang geschweißt und das Compact Pipe in den vorhandenen Einstiegsschacht eingeführt. Wenn beide Rohrenden druckfest verschlossen sind, wird die Haltung dann mit heißem Dampf beschickt. Der Druck ist abhängig von Dimension und Wandstärke des verwendeten Rohres. Am Compact Pipe angebrachte Fühler messen während der Einbauphase permanent Innen- und Außentemperatur. „Die Erwärmung löst den so genannten Memory-Effekt aus, der dafür sorgt, dass sich das eingezogene Rohr eng an die Innenwand des Altrohres anlegt“, so Korczinski. Die Dauer der Erwärmungsphase ist von Parametern wie Wandstärke, Nennweite und Länge des Rohres abhängig.

Auf Rolle zur Baustelle

Compact Pipe wird auf einer Rolle zur Einbaustelle geliefert. „Es handelt sich um ein Produkt, dessen Qualität bereits beim Herstellungs- und Einbauprozess werkseitig durch Eigen- und Fremdüberwachung sichergestellt wird“, erklärt Bauleiter Korczinski. „Darum weist das fertige Rohr in den gewünschten Materialeigenschaften keine messbaren Schwankungen auf und die Qualität der mit diesem Verfahren sanierten Kanäle entspricht der Qualität von neu verlegten PE-Standardrohren“. Im Einbauzustand verfügt es über die verfahrenstypische Falte, die den Querschnitt des Rohres um bis zu 35% reduziert. „Dieser Umstand erleichtert das Einziehen in die zu sanierende Leitung erheblich“, so Korczinski weiter. Nach dem Einzug wird das PE-Rohr unter Druck mit Dampf erwärmt und beim Erreichen der erforderlichen Temperatur in das ursprüngliche runde Profil rückverformt.“ Der Liner nimmt somit wieder seine ursprünglich kreisrunde Form an. Aufgrund der hohen Qualität stellt das Verfahren in vielen Fällen eine schnelle und langfristig wirtschaftliche Alternative in der Rohrsanierung dar. n

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