Knotenpunkte mitKlebebordsteinen realisiert

Geeignete Bauweise für Tropfen, Dreiecksinseln und Ausfahrkeile

Beim Neubau der Ortsumgehungsstraße Kirchheim/Weinstraße kam eine Alternative zur konventionellen Bauweise zum Einsatz: denn die Bordsteine werden erst im Nachhinein mittels einer speziellen Klebetechnik auf die Fahrbahn aufgebracht.

Beim Neubau von Umgehungsstraßen erfolgt die Einbindung in das bestehende Straßennetz in der Regel über Knotenpunkte - bauliche Anlagen, die der Verknüpfung von Straßen oder Wegen dienen. Zur Verkehrsführung werden hierbei üblicherweise im Bereich der Ein-/Ausfahrten Inseln als Fahrbahnteiler und Ausfahrtkeile in den Straßenbelag integriert. Zum Einsatz kommen in der Regel Flachbordsteine, die die Fahrbahn unterteilen und dank einer hellen Farbgebung den Verkehr leiten sollen. Für den Einbau wird zwischen zwei Bauweisen unterschieden: entweder werden die Bordsteine konventionell gesetzt bevor die Straße asphaltiert wird oder die Bordsteine im Nachhinein auf die asphaltierte Fahrbahn geklebt. Dass die so genannte Bordsteinklebetechnik eine gute Alternative zur konventionellen Bauweise darstellt, zeigt der Neubau der Umgehungsstraße von Kirchheim.

Täglich 15.000 Fahrzeuge

Seit mehr als 40 Jahren wird in der kleinen Ortsgemeinde im pfälzischen Landkreis Bad Dürkheim über eine neue Trassenführung der Bundesstraße 271 diskutiert. Rund 15.000 Autos mit einem Lkw-Anteil von drei Prozent quälen sich täglich durch das Zentrum der beschaulichen Gemeinde an der Deutschen Weinstraße. Verkehrsprognosen rechnen sogar mit einem Anstieg der Belastung auf künftig bis zu 19.000 Fahrzeuge pro Tag. Um dieses hohe Maß an Umweltbelastung durch Lärm, Abgase, Erschütterungen und Gefahren für die Bewohner in Zukunft zu vermeiden, entschlossen sich die verantwortlichen Planer bereits vor einigen Jahren für den Bau einer Umgehungsstraße.

Entlastung vom Durchgangsverkehr

Dipl.-Ing. (FH) Peter Franke vom Landesbetrieb Mobilität Worms erläutert die Maßnahme: „Mit dem Neubau der Westumgehung soll die Erreichbarkeit zwischen den Mittelzentren der Region verbessert werden und zudem eine erhebliche Entlastung Kirchheims vom starken Durchgangsverkehr erfolgen. Im August 2015 wurde schließlich mit dem Bau einer zweistreifigen, anbaufreien Straße begonnen. Nach aktuellen Berechnungen bringt die etwa 3.400 Meter lange Umgehung unter Berücksichtigung einer zu erwartenden Verkehrszunahme von 17 Prozent eine Entlastungswirkung der etwa 1.000 Meter langen Ortsdurchfahrt bis 70 Prozent – gerechnet auf das Jahr 2020“, so Franke.

Für eine ordnungsgemäße Einbindung der Westumgehung in das vorhandene Straßennetz sorgen die vier Knotenpunkte, die im Rahmen des Neubaus mit errichtet werden. Hierzu Peter Franke: „Um die Funktion der Deutschen Weinstraße gemäß dem Raumordnungsbescheid als Freizeitverkehr aufrecht zu erhalten wird die B 271alt im Süden als Einmündung zweistreifiger Straßen an die Umgehungsstraße B 271neu angeschlossen. Neben der Einrichtung einer 3,50 Meter breiten Linksabbiegespur wird der Knoten mit Tropfen, Dreiecksinsel und Ausfahrkeil ausgebildet. Ähnlich erfolgt auch der Anschluss über den westlichen, östlichen und nördlichen Knoten.“

Wirtschaftliches Verfahren der Bordsteinklebetechnik

Beim Bau der Knotenpunkte mit besagten Tropfen und Inseln entschieden sich die Planer für das Verfahren der Bordsteinklebetechnik aus dem Betonsteinwerk Meudt aus Wallmerod. Dazu Peter Franke: „Ursprünglich war es geplant, die Flachbordsteine, die hier zum Einsatz kommen, auf konventionelle Weise einzubauen. Dies hätte jedoch bedeutet, dass erst die Borde gesetzt und dann die Fahrbahn asphaltiert werden kann. Aus Zeitgründen haben wir uns für das Verfahren der Bordsteinklebetechnik entschieden. Bei dieser Bauweise wird zunächst die Fahrbahn asphaltiert, bevor im Nachhinein die Bordsteine zur Bildung der Inseln und Tropfen aufgeklebt werden.“

Sämtliche hier verbauten Flachbordsteine im Profil FB 30 x 25 (F15) wurden durch Absägen auf eine exakt gleiche Höhe von 16 Zentimeter gebracht. Nachdem die Asphaltdecke an den Stellen, an denen die Bordsteine verklebt werden sollen, leicht angefräst wurde, wurde in einem Dünnbettklebeverfahren 2-K-Kunststoff auf dem zuvor gereinigten Asphalt aufgebracht und die Bordsteine mit der geschnittenen Seite verklebt. Peter Franke erläutert die Vorteile: „Erstens hält die Verklebung auf den glatten Flächen besonders gut, da die Zementhaut hierbei entfernt wird. Zweitens werden fertigungsbedingte Höhenschwankungen eliminiert und damit die Steine für die Verklebung kalibriert. Maßtoleranzen sind damit nahezu ausgeschlossen.“ Ein weiterer Punkt: Dank zahlreicher Radien und Formsteine, die das Sortiment aus dem Hause Meudt umfasst, können die zu realisierenden Fahrbahneinfassungen nahezu ohne Schneideaufwand realisiert werden. „Dies spart uns viel Zeit und ermöglicht eine sehr professionelle Ausführung“, erklärt Franke.

Flachbordsteine bieten gute Verkehrsleitwirkung

Eine wichtige Aufgabe der Bordsteineinfassungen im Umfeld der Knotenpunkte ist auch deren Verkehrsleitwirkung. Sämtliche eingesetzte Flachborde wurden daher mit einer Spezialbeschichtung mit weißretroreflektierendem Epoxydharz – der sogenannten Reflexinbeschichtung – versehen. Dies sorgt für eine deutlich bessere Wahrnehmbarkeit im Vergleich zu einer Lösung aus grauen Bordsteinen. Insbesondere eine erhöhte Nachtsichtbarkeit – auch bei Nässe und unsichtigen Verhältnissen – ist damit gegeben. Auf diese Weise wird Verkehrsteilnehmern deutlich und rechtzeitig die veränderte Verkehrssituation angezeigt und somit eine sehr gute Verkehrsleitwirkung erzielt. Kürzlich wurde die Westumgehung von Kirchheim an der Weinstraße für den Verkehr freigegeben. Die Baukosten betrugen knapp 22 Millionen Euro.

Hermann Meudt Betonsteinwerk GmbH

www.meudt-betonsteinwerk.de

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