Software und Hardware miteinander verbinden

Interview mit PlanRadar auf der digitalBau 2026

Die THIS sprach auf der digitalBau 2026 mit Domagoj Dolinsek, Mitbegründer von PlanRadar, über aktuelle Neuheiten und den Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf Bau-Abläufe.

THIS: Welche Neuheiten haben Sie auf der digitalBau dabei?

Domagoj Dolinsek, Co-Founder der PlanRadar GmbH
© Planradar, Jana Madzigon

Domagoj Dolinsek, Co-Founder der PlanRadar GmbH
© Planradar, Jana Madzigon
Domagoj Dolinsek: Wir bei PlanRadar haben uns darauf fokussiert, schnell und effizient, den Leuten im Bau- und Immobiliensektor eine Möglichkeit zu schaffen, Sachverhalte, Mängel, Qualitäten schnell und einfach zu erfassen. Dass man die Fristen und die Zuständigkeiten der einzelnen Gewerken kennt, sobald Datenlage und Plan miteinander verknüpft sind. Und jetzt geht es darum, zwischen diesen Daten, die gesammelt werden, einen Kontext herzustellen.

Ganz einfach ausgedrückt: um einen Nachtrag zu prüfen, braucht man unterschiedliche Bereiche – Behinderungsanzeigen, Mängelanzeige, teilweise Rechnungen. Eine manuelle Prüfung bedeutet einen großen Zeitaufwand. Eine KI kann da sehr schnell bei sämtlichen Positionen einen Kontext herstellen und noch zusätzlich Vorschläge machen oder einen Nachtrag setzen, um weniger Kostenaufwand zu haben.

Das schaffen wir jetzt mit der PlanRadar KI, und verbinden so die ganzen Disziplinen. Und die strukturierten Daten, die vorliegen, werden nun in einen Kontext gesetzt.

In Kombination mit der konventionellen Erfassung der Daten können wir nun mit der 360-Grad-Kamera und SiteView eine räumliche Erfassung der Daten zur Verfügung stellen.

Da geht es darum, den Bauleiter – auch in Anbetracht des Fachkräftemangels –  zu entlastet und nicht viel Zeit aufwenden zu müssen, um die Erfassung direkt zu machen.

Das kann auch ein Laie machen. Der setzt sich die Kamera auf den Kopf, geht über die Baustelle und der Bauleiter kann direkt im Büro die Analyse der Daten machen. Vielmehr übernimmt das System selber und erkennt zum Beispiel Risse in der Wand oder wie viel Flächen an Fliesen wurden verbaut, in welcher Qualität und so weiter.

THIS: Wird denn alles, was die KI jetzt vorschlägt oder ergänzt, noch einmal überprüft?

Domagoj Dolinsek: Der Punkt ist ganz wichtig, denn keine KI kann alles 100 Prozent machen. Das Wesentliche ist, dass man den riesigen Stapel Papier, den man früher hatte, jetzt in Sekunden durchprüfen kann, da er schon im Vorfeld validiert wurde, und die KI kann sagen: ‚Ich bin mir bei diesem Fall zu 90 Prozent sicher‘. 100 Prozent wird sie nie sagen, aber man weiß ja als erfahrener Fachmann oder erfahrene Fachfrau, worauf ein Augenmerk gelegt werden muss.

Es wird auch im Zusammenhang mit KI oft missverstanden, dass dort Jobs wegrationalisiert werden – umso mehr kommt jetzt die Fachexpertise ins Spiel, dass man sehr genau bei den entsprechenden Vorschlägen des Systems wissen muss, worum es eigentlich geht.

Aber das Sammeln, das Vergleichen und die repetitiven Aufgaben werden vollkommen ausgelagert, und das sind ja die Zeitfresser. Mit unserer neuen KI wollen wir da einen Turbo reinbringen, damit man sich wirklich ums Bauen kümmern kann – vorgelagert natürlich sehr stark um die Planung, denn das ist der entscheidende Punkt, um das Gebäude richtig zu machen, und so schließt sich eben dieser Qualitäts-Lifecycle.

THIS: Das heißt, in allen Bereichen kommt diese KI zur Verwendung?

Domagoj Dolinsek: Genau, es ist sehr simpel, in der Planungsphase hat man am Plan Anmerkungen, auf dessen Basis er geupdatet wird. Dieser Stand kommt dann in die Bauphase, da hat man zudem Anmerkungen von der tatsächlichen Baustelle im Kontext, und dann weiterführend wird dieser digitale Zwilling übergeben an die Betreiber, beziehungsweise noch parallel an die Gewährleistungsphase abgeschient, und somit hat man einen Anwendungsprozess auf viele Anwendungsfälle. Es geht immer darum: anmerken, überprüfen, Status checken, erledigen.

THIS: Klingt eigentlich recht simpel.

Domagoj Dolinsek: Ja, das ist eben unsere Stärke, dass wir die Nutzeroberfläche sehr simpel machen und die Komplexität, was da an „Magie“ passiert, das passiert hinter den Kulissen.

THIS: Sonst wäre es ja auch keine Erleichterung, und das soll es ja sein.

Domagoj Dolinsek: Unsere Aufgabe als PlanRadar ist es, die Komplexität rauszunehmen, dem Nutzer zuzuhören und herauszufinden, wo es wehtut, und da ein Pflaster drauf zu kleben.

THIS: Wie läuft die Messe bis jetzt bei Ihnen? Sind Sie zufrieden?

Domagoj Dolinsek: Wir sind mit zehn Leuten auf der digitalBau vertreten und alle sind durchgängig beschäftigt. Es kristallisiert sich sehr stark heraus, dass Sanierung momentan stark im Fokus ist. Wir haben die Daten zwar noch nicht vorliegen, aber vor allem gestern waren sehr viele Interessenten aus dem gemeinnützigen Wohnbau und auch aus dem Privaten da, um eben die finanziellen Mittel, die gerade zur Verfügung stehen, sinnvoller zu nutzen. Denn A, die Energiekosten steigen, diese muss man in den Griff bekommen, und B, die Erneuerung der Substanz an sich muss angegangen werden. Und da helfen wir mit unserer Technologie.

THIS: Wenn das jetzt eingeführt ist, was ist dann der nächste Schritt?

Domagoj Dolinsek: Man kann sich ja in allen diesen Disziplinen entweder stärker fokussieren oder in die Breite gehen. Wir sagen eher, wir fokussieren uns weiter auf die Dokumentation, aber noch vereinfachter.

Es sind Limitierungen gesetzt, einerseits vom sicherheitstechnischen Aspekt und andererseits eben vom aktuellen Aspekt der Hardware, aber das kommt sukzessive. Vor zehn Jahren hätte sich keiner gedacht, dass man Innenräume mithilfe einer kleinen Kamera virtuell in wenigen Minuten abbilden kann.

Und es wird immer mehr, dass man Hardware mit Software connected. Ein gutes Beispiel ist unser Kooperationspartner Evva Schließsysteme: Hier speziell sagen wir, sind die Container auf Baustellen wichtig.

Es gibt Millionen von Schlüssel-Zugangsberechtigungen für Materialien, für Arbeitsmittel und so weiter. und das muss effizient gemanagt werden. Die Container sind überall verteilt, mit PlanRadar finden sie diese, haben mit uns NFC-Technologie gekoppelt, mit dem Schließsystem kann jeder Baumensch die mit seinem eigenem Smartphone aufsperren.

Also hier verschmelzen Softwaretechnologien mit Hardwaretechnologien allmählich, um dann wirklich den harten Mehrwert, den einzelnen Vorteil auf die Baustelle zu bringen.

THIS: Wir danken Ihnen für das informative Gespräch.

 

PlanRadar GmbH
www.planradar.com

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