Drei Standorte, drei Strategien
Welche Rolle Tegel, CleanTech Business Park und Schönefeld für eine Expo 2035 spielen30 Millionen Besucher aus aller Welt. 2,1 Milliarden Euro Umsatz. Und das alles in sechs Monaten. Mitten in Berlin. Für die Expo 2035 bietet die Bundeshauptstadt gleich drei global wettbewerbsfähige Standorte. „Die Welt zu Gast bei Freunden“ könnte vor Ort ein echtes Revival erleben.
Die drei möglichen Hauptstandorte repräsentieren gleich mehrere Entwicklungslogiken: Tegel (TXL) im Norden, der CleanTech Business Park im Osten der Stadt und das Gelände rund um den BER südlich, mit einem Teil in Berlin, dem anderen Teil in Brandenburg. Jeder dieser Standorte bringt moderne Voraussetzungen, enorme Nachnutzungspotenziale und spezielle infrastrukturelle Hebel mit. Welche Potentiale können pro Standort gehoben werden?
Berlin TXL: Entwicklungsbeschleuniger für
die Urban Tech Republic
Das ehemalige Flughafengelände Tegel ist der größte Standort gemessen an der Fläche. Das Gesamtareal umfasst rund 500 Hektar. Davon entfallen etwa 202 Hektar auf die Urban Tech Republic (UTR). Für die Expo 2035 wird ein Flächenbedarf von rund 100 bis 150 Hektar angenommen. Damit bietet Tegel genug Raum, um Expo-Main Venue und langfristige Stadtentwicklung parallel zu realisieren. Gleichzeitig bieten sich Ausfallflächen und Räume, die im Falle einer Erweiterung bereitgestellt werden können.
Aktuell bietet der Zustand der Fläche eine grüne Wiese für Großprojekte im Stil der Expo. Genau darin liegt der planerische Hebel. Eine Expo würde die Sicherung der Hauptflächen, die Weiterführung laufender Bebauungspläne, den Ausbau öffentlicher Nahverkehrsanbindungen sowie die schrittweise Entwicklung von Urban Tech Republic (UTR) und Expo-Areal bündeln.
Das Alleinstellungsmerkmal für Planung und Bau liegt also in einer doppelten Wirkung: Zum einen, die Expo auszutragen, zum anderen diesen Motor nutzen, um die Fertigstellung zentraler Bausteine der Urban Tech Republic voranzutreiben. Die vorliegenden Flächenannahmen zeigen, wie stark Tegel skalieren kann. Im UTR-Campus könnten rund 24 von 39 Hektar Expo-bezogen entwickelt werden, im Gewerbeband 28 von 70 Hektar, im Industriepark 49 von 82 Hektar.
Hinzu kämen etwa 26 Hektar Landschaftspark sowie weitere Landschaftsräume. Für Planungsteams eröffnet das ein robustes Gerüst aus Campus, Gewerbe, Freiraum und direkte Anbindung an moderne Straße und öffentlichen Nahverkehr.
Für den Bau bedeutet das: modulare Pavillons, dauerhafte Forschungs- und Arbeitsorte sowie infrastrukturelle Vorleistungen werden auch für das „Danach“ konzipiert. Die Frage der Legacy ist somit integraler Teil der Masterpläne.
CleanTech Business Park: Reallabor für
grüne Produktion
Der CleanTech Business Park (Fläche: 90 Hektar) steht für einen anderen Standorttyp. Sein größter Pluspunkt liegt in der Verbindung von Expo, nachhaltiger Produktion und wirtschaftlicher Umsetzung. Experimentelle Bauweisen, modulare und vorgefertigte Pavillons, flexible Pilotprojekte sowie nachhaltige Nutzungen stehen im Mittelpunkt.
Für die Planung ist das ein klarer Vorteil. Während Tegel eine neue Stadtlandschaft aufbaut, kann der CleanTech Business Park als produktiver und kompakterer Raum funktionieren. Hier ließen sich Kreislaufwirtschaft, ressourcenschonende Baustoffe, serielle Fertigung, Energieversorgung, industrielle Logistik und emissionsarme Produktion in einem urbanen Stadtumfeld umsetzen. Statt Zukunft “nur” auszustellen, könnte der Standort zeigen, wie sie gebaut, getestet und skaliert wird.
Für den Baubereich ist dieser Standort relevant, weil modulare und vorgefertigte Systeme früh in den Mittelpunkt rücken. Pavillons könnten als temporäre Strukturen beginnen, aber später als Werkstätten, Bildungsorte, Labore oder gewerbliche Flächen weitergenutzt werden.
Damit zahlt der Standort unmittelbar auf die Legacy-Logik der Expo ein: Pavillons sollen nach 2035 in flexible Arbeits-, Bildungs- und Gemeinschaftsräume transformiert werden. Auch die Entwicklung von örtlichen Grünflächen und Freizeitorten, passt zu diesem Standortprofil.
Der CleanTech Business Park ist damit ein glaubwürdiger Ort für den Nachweis, dass nachhaltiges Bauen nicht nur Entwurfsidee, sondern industrielle Praxis ist. Nicht nur zugunsten von wirtschaftlich orientierten Unternehmen, sondern auch für städtische Zielgruppen mit einem Anspruch auf attraktive urbane Rahmenbedingungen im eigenen Stadtteil.
Schönefeld: Internationaler Ankunfts-
und Kollaborationshub
Das Gelände rund um den BER in Schönefeld erfüllt eine dritte Funktion. Es bietet einen Veranstaltungsort, der die Regionen Berlin und Brandenburg am besten miteinander verbindet.
Planerisch bietet das Gebiet in Schönefeld den Vorteil, Besucherströme, Mobilität, Kongressnutzungen, Hotellerie, Messeformate und technische Infrastrukturen von Beginn an zusammenzudenken. Große Teile der Infrastruktur sind bereits vorhanden. Eine Stadt in der Stadt für die Expo zu bauen, muss daher nicht geschehen.
Emotionale Erlebnisse neuer Technologien, Begegnung von Innovatoren, Entscheidungsträgern und Bürgern sowie Dialog zwischen Weltanschauungen, Gemeinschaften und Regionen gelingt auch mit dem Bestehendem.
Bedeutet auch: Während Tegel für urbane Transformation steht und der CleanTech Business Park für grüne Industrie, steht Schönefeld für internationale Konnektivität. Für den Bau ergeben sich daraus gesonderte Anforderungen: Robuste Verkehrsführung, moderne Sicherheitskonzepte, temporäre Großstrukturen, belastbare Energie- und Medieninfrastruktur sowie eine klare Trennung von Eventbetrieb, Flughafenbetrieb und späterer Nachnutzung.
Gerade als Hub kann Schönefeld mit dem BER für die Expo wertvoll sein: Ein Eingangstor der Metropolregion, als Ort für internationale Konferenzen und als leistungsfähiger Knoten im Zusammenspiel mit weiteren Berliner und Brandenburger Standorten.
Planung, Bau und Legacy als
gemeinsame Klammer
Der Transformationshebel der Expo hat enormes Gewicht: 2,35 Milliarden Euro Investitionen in die Infrastruktur der Metropolregion Berlin Brandenburg, 685 Millionen Euro zusätzliche Staatseinnahmen für Modernisierungen in der Region und eine zusätzliche Steigerung des deutschen BIP um 22 Milliarden Euro.
Die stärkste Lösung sieht Arup nicht in einem isolierten Gelände, sondern in einem dezentralen Konzept, das neben dem Hauptstandort alle Kieze und umliegenden Gebiete mit einbezieht. So werden die Investitionen und nachhaltigen Effekte nicht auf einen Punkt konzentriert und es steht eine Legacy die lange nach der Expo 2035 der ganzen Metropolregion zugutekommt.
Arup Deutschland GmbH
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