Brücken bauen ­– Zukunft gestalten

54. VDBUM Großseminar der Superlative

Nicht nur die Branche befindet sich im Wandel, sondern auch ihr Selbstverständnis. Dies war auf dem Großseminar des Verbandes der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik e.V. vom 10. bis 13. Februar 2026 in Willingen deutlich spürbar.

Wir haben die ultimative Teilnehmerzahl erreicht, die wir an diesem Standort erreichen können. Das Vortragsprogramm war von höchster Qualität, die rund 50 Vorträge waren durchweg gut besucht“, lautete das Fazit von VDBUM-Präsident Dirk Bennje. Zudem blickte er zurück auf emotionale Momente bei der Mitgliederversammlung, etwa die Verabschiedung von Josef Andritzky nach 17 Jahren im Vorstand des VDBUM und seine Ernennung zum Ehrenvorstand sowie die Wahl von Peter Schmid, Leiter Gerätepark bei Max Bögl, als dessen Nachfolger und neuer Stimme der Anwender. Und, nicht zu vergessen, die Verleihung der goldenen Ehrennadel für die 50-jährige VDBUM-Mitgliedschaft an den ehemaligen Geschäftsführer und Ehrenvorstand Udo Kiesewalter. Darüber hinaus wurden Weichen für die Zukunft gestellt­: Die Kaufmännische Leiterin Wencke Böhling erhielt Prokura, René Esselmann, Leiter Entwicklung Mitgliedernetzwerk, und Stefan Schumski, Technischer Projektleiter, erhielten Handlungsvollmacht. Der Verband beschäftigt nunmehr 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Geschäftsstelle in Stuhr und hat 2025 mehr als 320 Veranstaltungen für seine über 11.000 Netzwerkmitglieder organisiert.

„Die Baubranche war früher ein Erlediger, nun befindet sie sich im Wandel zum Partner, um die Herausforderungen dieses Landes zu bewältigen“, erklärte Dirk Bennje bei der Eröffnung der ersten Abendgala. Als entscheidendes Thema nannte er die Kommunikation von Baumaschinen auf der Baustelle. Dies sei durch die Entwicklung von MiC 4.0 möglich – „aber es flutscht noch nicht richtig“. Bennje wies hier auch auf den SiteRouter hin. Der VDBUM warb an seinem Stand für die herstellerunabhängige Datendrehscheibe­, die nach dem Vorbild des etablierten Agrirouters bei Mischflotten und inkompatiblen Schnittstellen eine einheitliche Verbindung schafft.

Optimistisch ins Baujahr 2026

Zum anschließenden Lounge-Talk bat Moderatorin Alexandra von Lingen Jörg Laue (CFO der Hochtief Infrastructure GmbH und Mitglied des Aufsichtsrats der Hochtief AG), Maximilian Schmidt (Geschäftsführer Vertrieb bei der Kiesel GmbH) und Markus Bühl (Prokurist und Vertriebsleiter der Wirtgen Group Deutschland) als Vertreter der drei Schwerpunktpartner auf die als Baubesprechung gestaltete Bühne. Sie gaben einen Ausblick auf die Inhalte ihrer zahlreichen Vorträge und verdeutlichten, wie essentiell das Generieren von Echtzeitdaten für die Beschleunigung der Bauprozesse sei. Alle drei blickten mit Optimismus in das beginnende Baujahr.

Die Keynote hielt der ehemalige Finanzminister Christian Lindner, der sich für weniger staatliche Bevormundung und mehr Deregulierung starkmachte. Der Vortrag polarisierte bewusst und führte zu angeregten Diskussionen an den Tischen.

„Wenn die Politik 500 Milliarden Euro verspricht, dann müssen die Gelder auch fließen“, sagte der VDBUM-Präsident am Mittwochmorgen zum Start des Seminarprogramms und brachte auf den Punkt, woran es der Branche fehlt: „Wir brauchen Verlässlichkeit.“ Der VDBUM verstehe es als seine Aufgabe, Brücken zwischen der Branche und der Politik zu bauen. Alexandra von Lingen übergab das Wort anschließend an Oberst i.G. Stefan Gruhn. In seinem Impulsvortrag brachte der uniformierte Redner ein eher unpopuläres Thema auf die Tagesordnung: Das Erreichen der Kriegstüchtigkeit bis 2029. Der studierte Bauingenieur leitet das BAIUDBw Kompetenzzentrum Baumanagement Düsseldorf, eines­ von sieben Kompetenzzentren der Bundeswehr. Er zeigte auf, dass für die Kriegstüchtigkeit neue Liegenschaften benötigt werden, die Bestände sich gleichermaßen in teils desolatem Zustand befinden.

Fehlerkultur etablieren

Im Anschluss begann die Podiumsdiskussion unter dem Seminar­motto „Brücken bauen – Zukunft gestalten“. Neben Oberst Gruhn nahmen Michael Gutzeit (Director HVDC Projects bei der TransnetBW), Jörg Laue (CFO der Hochtief Infrastructure GmbH), Prof. Dr. Christian Lippold (Leitung Planung, Bau & Innovation bei der Autobahn) und Dieter Schnittjer (VDBUM-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer der VDBUM Service GmbH) auf dem Podium Platz. „Es ist extrem mühsam, in Deutschland Baugenehmigungen zu erhalten, und das haben wir uns teils selbst auferlegt“, sagte Michael Gutzeit. Die Diskutanten waren­ sich einig, dass es in Sachen Fehlerkultur noch Nachholbedarf auf Deutschlands Baustellen gibt. Hier besteht auch eine
Hierarchieproblematik – auch ein Bauhilfsarbeiter müsse sich einbringen können, wenn er feststellt, dass etwas nicht funktioniert.

Das Machen einfacher machen

Thematisiert wurde auch das Arbeitszeitgesetz. „Wir müssen die Flexibilität bewahren und ausbauen“, sagte Dieter Schnittjer. Jörg Laue ergänzte, dass 96 Prozent der Mitarbeitenden Vertrauensarbeitszeit wünschen. Zum Abschluss bat Alexandra von Lingen um kurze Statements zur Frage: „Was müssen wir tun, damit wir in fünf Jahren diese Themen nicht mehr besprechen müssen?“. Michael Gutzeit nannte dazu Bürokratieabbau, mehr Schnelligkeit, Priorisierung und Flexibilität, Jörg Laue wünschte sich starke, entscheidungsfreudige Bauherren. Mit Blick auf die zehnmonatige Haushaltssperre forderte Christian Lippold eine überjährige Finanzierung. „Wir müssen priorisieren und fragen: Was ist wichtig für Deutschland?“, so Oberst Gruhn. „Wir müssen das Machen einfacher machen“, lautete das Schlusswort von Dieter Schnittjer. Auffällig war die Einigkeit, die auf dem Podium herrschte. Die verschiedenen Akteure der Branche zeigten sich gut vorbereitet für die anstehenden Aufgaben.

Das dreizügige Vortragsprogramm beinhaltete die Schwerpunktthemen „Trassen- und Gleisbau“, „Straßen- und Brückenbau“, „Forschung und Entwicklung“, „Digitalisierung und BIMLösungen“, „Abbruch und Recycling“ sowie „Werkstatt und Logistik“ und wurde außerordentlich gut aufgenommen. Genannt sei der Vortrag „SuedLink – eine krasse Trasse“ von Michael Gutzeit, bei dem der Vortragsraum Winterberg bis auf den letzten Platz gefüllt war.

Viele Zuhörerinnen und Zuhörer nutzten nach Ende der Referate die Möglichkeit, Nachfragen zu stellen oder Input für mögliche Optimierungen zu liefern.

Bestens besucht war auch die Fachausstellung. Die Unternehmen der Branche zeigten, dass sie gute Lösungen für die Umsetzung der digitalen Transformation, nachhaltige Antriebskonzepte oder Effizienzsteigerung auch in Zeiten des Fachkräftemangels entwickelt haben. Die Stimmung unter den 130 Ausstellern war verhalten positiv bis optimistisch, oft wurde von einer guten Auftragslage und einer Wachstumserwartung berichtet. Der VDBUM stellte neben dem SiteRouter auch den digiTrainer vor, der die Sicherheitsunterweisung vom monotonen Multiple-Choice-Test zu einem echten Erlebnis auf spielerische Art macht.

Zur DNA des VDBUM gehört die Nachwuchsförderung. Auch in diesem Jahr ermöglichte der Verband gemeinsam mit seinen Partnern Ammann, GP Papenburg, Lectura, Max Bögl, Morneweg, Strabag und TWF Patenschaften für 40 Studierende sowie Meisterschülerinnen und Meisterschülern, die die Chance nutzten, sich mit den Führungspersönlichkeiten der Branche zu vernetzen.

Das 55. VDBUM Großseminar findet vom 16. bis 19. Februar 2027 statt. Da sich eine ähnlich hohe Beteiligung wie in diesem Jahr abzeichnet, empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung. 

Verband der Baubranche, Maschinen- und Umwelttechnik e.V.
www.vdbum.de

x

Thematisch passende Artikel:

VDBUM erweitert Vorstand

Roland Caillé vertritt Maschinentechnik und mittelständische Bauunternehmen

Roland Caillé ist 49 Jahre alt, seit 25 Jahren als Baumaschinenmeister tätig und seit 20 Jahren Mitglied des VDBUM. Bei der Stehnke Bauunternehmung, einem führenden Bauunternehmen der...

mehr
Ausgabe 03/2017

VDBUM erweitert Vorstand

www.vdbum.de Auf seiner Mitgliederversammlung im Anschluss an das 46. VDBUM-Seminar 2017 in Willingen hat der Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik VDBUM seinen Vorstand um ein Mitglied...

mehr
Ausgabe 6-7/2021

50 Jahre VDBUM

Vorstände gratulieren mit persönlichen Erinnerungen

Am 10. Februar 1971 versammelten sich die Leiter verschiedener maschinentechnischer Abteilungen mehrerer Bauunternehmen im Großraum Bremen. Sie verfolgten das Ziel, maschinentechnische Probleme durch...

mehr

50. VDBUM-Großseminar auf 2022 verschoben

Verschiebung aus Verantwortung für Teilnehmer, Vortrags- und Ausstellungspartner

„Wir dürfen nicht nur uns betrachten, sondern tragen Verantwortung für unsere Gäste, Partner und die gesamte Baubranche“, erläutert VDBUM-Präsident Peter Guttenberger die aus diesen Erwägungen...

mehr

VDBUM-Seminar 2014 mit positiver Resonanz

NEUES KOMZEPT KOMMT GUT AN

„Unsere Erwartungen haben sich in vollem Umfang erfüllt“, sagt Dieter Schnittjer, VDBUM-Vorstand und Geschäftsführer des Veranstalters VDBUM Service GmbH. Der neue Standort in Kassel ist so...

mehr