Zeigen, was technisch möglich ist

Maßgeschneiderte Service-Lifte für Rheinbrücke Leverkusen

Sie zählt zu den spektakulärsten Infrastrukturprojekten der vergangenen Jahre: die neue Rheinbrücke Leverkusen. Als Teil der stark befahrenen A1 ist sie ein zentrales Verkehrsprojekt für Nordrhein-Westfalen. Für Wartung und Kontrolle der Brückenpfeiler wurde ein besonderes technisches System installiert: acht maßgefertigte Service-Lifte von Hailo Professional. Im Interview berichten Frank Frey, Geschäftsbereichsleiter Hailo Professional, und Sascha Rübsamen, Leiter Konstruktion, über die Herausforderungen bei Planung und Einbau, technische Raffinessen und neue Geschäftsperspektiven für Hailo.

Herr Rübsamen, Herr Frey, wie kam es dazu, dass Hailo für dieses Projekt beauftragt wurde?

Frank Frey: Der Ursprung liegt in der Windkraft. Vor über 25 Jahren wurden bereits die ersten Service-Lifte für Windkraftanlagen entwickelt – als effiziente Alternative zum Aufstieg über Leiternsysteme. Dieses Know-how haben wir in den vergangenen Jahren konsequent auf andere Branchen übertragen: auf Industrieanlagen – und jetzt auch auf Brücken.

Sascha Rübsamen: Das Projekt an der Rheinbrücke Leverkusen war eine perfekte Gelegenheit, unsere Kompetenz im Infrastrukturbereich unter Beweis zu stellen. Zumal wir unter anderem mit einem früheren Projekt – dem Einbau eines Liftsystems in die Riveristalsperre bei Trier – bereits 2019 zeigen konnten, dass wir auch mit besonderen Bauwerksgeometrien umgehen können.

 

Was macht die Rheinbrücke Leverkusen aus

Hailo-Sicht zu einem besonderen Projekt?

Frank Frey: Das Projekt ist für Hailo Professional ein echtes Leuchtturmprojekt. Wir haben hier erneut unsere leiterbasierten Service-Lifte in einem großformatigen Infrastrukturbau eingesetzt – und weil so ein neuer Brückenbau durchaus spektakulär ist, ist auch das mediale Interesse groß. Für uns ist das die perfekte Gelegenheit zu zeigen, dass Hailo besondere Lösungen für besondere Bauwerke liefern kann.

Sascha Rübsamen: Für uns in der Technik ist das Projekt natürlich extrem spannend. Wir konnten viele neue Lösungen entwickeln – etwa für schräge Aufbauten, für eine neuartige Doppellift-Architektur mit Übergabestation oder für die Führung des Schleppkabels entlang des geneigten Pylons. Das sind Herausforderungen­, wie man sie nicht jeden Tag bekommt.

 

Was war technisch gesehen besonders

herausfordernd?

Sascha Rübsamen: Zum Beispiel der Neigungswinkel: Die Pylone der Brücke stehen durchgehend in einem 17-Grad-Winkel. Das bedeutet, dass sämtliche Seile, Führungen, Kabelführungen und Halterungen speziell angepasst und getestet werden mussten. Auch die Leitern, an denen unsere Service-Lifte geführt werden, verlaufen schräg. Das ist in dieser Form absolut außergewöhnlich.

Und der Lift selbst – ist das ein Standardprodukt oder eine Sonderkonstruktion?

Sascha Rübsamen: Der Grundtyp ist unser bewährter Service-Lift, den wir in drei Größen anbieten und der hier in der Variante für zwei Personen mit 250 Kilogramm Nutzlast eingesetzt wird. Aber das Ganze ist stark individualisiert: Wir haben zwei Lifte pro Pylon installiert. Da sich der Fahrweg nach oben verjüngt, war dies notwendig. Auf halber Höhe befindet sich eine Wechselstation. Außerdem wurde spezielle Sicherheitstechnik und eine Notleiter mit Steigschutzsystem montiert. Im Prinzip basiert die Technik zwar auf einem bestehenden System, doch die konkrete Lösung ist stark individualisiert.

Wie verlief die Montage – und welche Heraus-

forderungen gab es?

Sascha Rübsamen: Die größte Herausforderung war die Logistik: Die Brücke war bereits voll befahren. Ein Anliefern der Teile über die Autobahn war ausgeschlossen. Wir mussten die Komponenten über enge Zufahrten transportieren und teilweise per Kran über einen Radweg an den Einsatzort bringen. Die Wege im Bauwerk selbst waren ebenfalls eng – und dann kam noch die Besonderheit hinzu, dass dort, wo eine Brücke ist, auch ein Fluss fließt. Zwischendurch gab es immer wieder mal Hochwasser, das unsere Lagerpläne durchkreuzte. Wir mussten also die gesamte Logistik exakt durchplanen, Material vorkonfektionieren, just-in-time liefern und mit mobilen Kränen auf die Brücke bringen. Das war durchaus herausfordernd.

Frank Frey: Trotzdem konnten wir die Systeme in etwa acht Wochen vollständig installieren – inklusive Abstimmung mit Behörden, Gutachtern und TÜV. Besonders wichtig war dabei, dass wir unsere Komponenten in Haiger vormontiert haben. Das hat die Montage enorm erleichtert.

 

Gibt es daraus Learnings für kommende Projekte?

Sascha Rübsamen: Definitiv. Das war ein Projekt mit vielen neuen Erfahrungen – von der 3D-Datenübergabe bis zur Endabnahme. Die Koordination mit Bauunternehmen, TÜV und Behörden war intensiv, aber sehr professionell.

 

Was bedeutet das Projekt für Hailo langfristig?

Frank Frey: Es ist ein Startpunkt. Wir entwickeln derzeit eine kompaktere, akkubetriebene Befahranlage für Hochregallager – dort gibt es ähnliche Anforderungen wie bei Brücken: Höhe, wenig Platz, häufige Wartung. Auch für internationale Märkte, etwa in den USA, bereiten wir uns vor.

Sascha Rübsamen: Und: Aktuell wird vor Ort die zweite Brücke für die entgegengesetzte Fahrtrichtung gebaut. Hier werden unsere Service-Lifte ebenfalls zum Einsatz kommen. Das zeigt, dass unsere Lösung überzeugt hat.

Hailo Werk

www.hailo-professional.de

Im Rahmen des Ausbaus der Bundesautobahn A1 realisierte die Autobahn GmbH des Bundes mit der Rheinbrücke Leverkusen ein zentrales Infrastrukturprojekt zur Entlastung des stark frequentierten Verkehrsraums zwischen Köln und Düsseldorf. Für die regelmäßige Wartung und Inspektion der 80 Meter hohen Pylonbauwerke entwickelte Hailo Professional ein innovatives, individuell angepasstes Service-Lift-System.

Ziel war die Schaffung eines komfortablen, sicheren und ergonomischen Zugangssystems für Inspektions- und Instandhaltungsarbeiten in den Schrägpylonen – und das dauerhaft und wartungsfreundlich. Der Betrieb erfolgt in einem stark frequentierten Bereich unter laufendem Verkehrsbetrieb.

Insgesamt wurden acht Service-Lifte des Typs Hailo TopLift HP-L2 installiert – jeweils zwei pro Pylon, verteilt auf vier Stützen. Das System ermöglicht einen durchgängigen Zugang auf eine Höhe von bis zu 80 Metern. Der untere Lift (35 Meter) ist seitlich im Pylon angebracht, der obere (25 Meter) mittig – verbunden durch eine Übergabestation auf 35 Meter Höhe. Alle Lifte werden leitergeführt entlang der um 17 Grad schräg geneigten Pylonwand – eine Premiere in der Hailo-Geschichte.

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