Wirtschaftliche Sanierung von Revisionsschächten

Grundstücksentwässerung in Erding

Im Zuge der Kanalsanierung in Erding werden auch Hausanschlüsse und Revisionsschächte auf dem Grundstück systematisch untersucht und saniert. Der Abwasserzweckverband Erdinger Moos (AZV) als Auftraggeber und sein Ingenieurbüro sind dabei durchaus innovativ, was die Sanierungskonzepte angeht.

Im Sanierungsschwerpunkt Müllerstraße wurden 42 defekte, überwiegend auf privaten Grundstücken gelegene Betonschächte schnell und wirtschaftlich mit dem neuen Beschichtungssystem Gepotech - 11/22 der Schomburg ICS GmbH, Detmold, saniert. Bauausführendes Unternehmen war die Swietelsky-Faber GmbH (Surheim/Blomberg).

Ein Schwerpunkt des Kanalsanierungsprogramms des AZV Erdinger Moos an der Peripherie von München war in Sommer und Herbst 2009 die Müllerstraße in Erding. Nachdem sich wegen starker Verwurzelung in den Anschlusskanälen der Müllerstraße wiederholt betriebliche Probleme ergeben hatten, ließ der Abwasserzweckverband Erdinger Moos 2008 eine gründliche Bestandsaufnahme in Form von TV-Inspektionen und – soweit sinnvoll – ergänzenden Dichtheitsprüfungen der Abwassersysteme in diesem Bereich durchführen. Sowohl die öffentlichen Mischwasserkanäle (bis DN 400) wurden einer Inspektion unterzogen als auch die einmündenden Hausanschlüsse bis zum Kontrollschacht auf dem Grundstück.

Grundstückseigentümer sinnvoll eingebunden

Die sinnvollste Schnittstelle für Betrieb, Unterhalt sowie Planung und Durchführung von Kanalsanierungen ist ohne Zweifel der Kontrollschacht. Als Vorteil erwies sich das in der Satzung des AZV Erdinger Moos verankerte Angebot, den Kontrollschacht in den Bestand der öffentlichen Entwässerungseinrichtung zu übernehmen, sofern der Schacht bestimmte Mindestanforderungen an Lage und baulichen Zustand erfüllt. Die Eigentümer nicht übernahmefähiger Anlagen waren kooperationsbereit und ließen auf der Grundlage einer Kostenübernahmevereinbarung die Anlagen so umbauen, dass die Mindestanforderungen erfüllt werden. Dabei überzeugte vor allem das Argument, dass alle künftigen Instandhaltungskosten durch die Übernahme auf den AZV übergehen. So wurden fast alle Grundstückseigentümer in die Sanierungsmaßnahme eingebunden.


Ganzheitliche Sanierungsplanung

Vor diesem Hintergrund konnte das Ingenieurbüro Pieper aus Forstern eine ganzheitliche, wie in der EN 752-5 für jede Kanalsanierung geforderte Bestandaufnahme und Sanierungsplanung durchführen. Dieses nach Ausschreibung an die Swietelsky-Faber GmbH (Blomberg) vergebene Konzept sah neben der Sanierung von Hauptkanälen durch 9 Schlauchliner (ausgeführt mit dem lichthärtenden Berolina Liner System) und diverse punktuelle Reparaturmaßnahmen (überwiegend Kanalroboter System Primo) auch umfassende Sanierungsmaßnahmen auf den Grundstücken vor. Neben der Installation von 33 bogengängigen Schlauchlinern des Brawoliner-Systems und einigen Kurzlinern mit dem 3-P-Verfahren lag ein Schwerpunkt auf der Sanierung der Kontrollschächte auf dem Grundstück.

Neben der üblichen Fremdüberwachung der Liner wurde bei diesem Projekt auch eine Fremdüberwachung der Kurzliner sowie des Schachtbeschichtungssystems über das Ingenieurbüro für Kunststofftechnik Siebert+Knipschild (München) vereinbart. Zusätzlich fand eine Eigenüberwachung des Schachtbeschichtungssystems durch die Schomburg ICS GmbH als Hersteller statt.

Neues Beschichtungssystem

Aufgrund gemeinsamer Zweifel von Auftraggeber und Ingenieurbüro an der Nachhaltigkeit einer Schachtsanierung mit herkömmlichen mineralischen Beschichtungsverfahren entschloss man sich für eine grundlegende Alternativlösung und setzte auf eine Beschichtung mit dem neuen Beschichtungssystem Gepotech -11/22 der Schomburg ICS GmbH (Detmold). Gepotech -11/22 ist ein zweiphasiges, auf einer Polyharnstoff-Verbindung basierendes lösemittelfreies System für die Beschichtung feuchter mineralischer oder metallischer Oberflächen. Gepotech -11/22 zeichnet sich durch Korrosionsbeständigkeit, Schrumpffreiheit und nicht zuletzt durch eine hohe Elastizität aus und wurde eigens für den Einsatz auf feuchten Untergründen entwickelt.

Arbeitsgrundlage der Beschichtung mit dem neuen Sanierungssystem ist – und war auch in Erding– eine gründliche Hochdruck-Vorreinigung, bei der Schmutz entfernt und lose Betonsubstanz bis auf den gesunden Kern des Bauwerks abgetragen wurde, um eine nachhaltige Haftung der Beschichtung sicher zu stellen. Nach der Grundreinigung und Reprofilierung von stärkeren Ausbrüchen von Schachtwänden und -sohle wurde ein Primer als erste Phase des Systems per Quast aufgetragen. Durch Zugabe von Quarzsand von 0,5 bis 1 mm Körnung auf den noch nicht gehärteten Primer wurde die Grundierung weiter optimiert. Der markant leuchtende blaue Primer erfüllt übrigens nicht nur eine physische Funktion als Haftgrundlage für die eigentliche Systembeschichtung, sondern hilft auch ganz praktisch beim Auftrag dieser zweiten Phase im Spritzverfahren und bei einer Materialtemperatur von 70°C: Exakt dann, wenn das Primer-Blau endgültig unsichtbar wird, hat die Gepotech-Beschichtung die erforderliche Endstärke von 3 mm erreicht. Danach geht alles ganz schnell: Nur eine Minute nachdem der Spritzvorgang beendet ist, sind die Polyharnstoff-Oberflächen bereits belastbar: Sohlen, die mit Gepotech -11/22 beschichtet wurden, sind dann schon wieder begehbar. Damit trägt das System, das selbstverständlich über eine geltende DIBt-Zulassung verfügt, nicht nur zu einer dauerhaften und wirtschaftlichen, sondern auch zu einer sehr schnellen und reibungslosen Sanierung von Grundstücksentwässerungssystemen bei. Die Sanierungskolonnen von Swietelsky-Faber hielten sich in Sachen Schacht-Beschichtung selten länger als zweieinhalb Stunden auf einem Grundstück auf, wobei in der Regel die Schachtsanierung der letzte Arbeitsgang überhaupt auf dem jeweiligen Grundstück im Anschluss an Schlauchlining bzw. partielle Reparaturen (teils Schachtanschlüsse mit Kurzliner) war. In der Müllerstrasse in Erding konnte auf dieser Grundlage die geplante Sanierung der öffentlichen und -überwiegend- privaten Schachtbauwerke innerhalb von nur drei Arbeitswochen vollständig abgeschlossen werden.

Einmal mehr wurde im Projekt Erding-Müllerstraße nicht nur die technische Funktionalität des Gepotech -11/22-Systems, sondern auch seine Wirtschaftlichkeit überzeugend nachgewiesen.n

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