“Weit mehr als das klassische Fassadengerüst“

Interview mit Konrad Böhnke, Vertriebsleiter Bau, und Roland Hassert, Leiter Anwendungstechnik Bau, Wilhelm Layher GmbH & Co KG

tHIS-Magazin: Layher ist für die meisten Bauunternehmer ein Synonym für Fassadengerüste.

Konrad Böhnke: Das stimmt. Bauunternehmer denken bei Layher meistens an unser Blitz-Gerüst, das bis heute im Bereich Fassaden-Gerüstbau das maßgebende Steckrahmengerüst am Markt ist. Dass unsere Systemgerüste – insbesondere unser modulares Allround-Gerüst – Bauunternehmern aber auch schon während der Rohbauphase viele Möglichkeiten „rund um den Bau“ bieten können, ist leider noch zu wenig bekannt.

tHIS-Magazin: Welche wären das?

Roland Hassert: Zum Beispiel sichere Baustellenzugänge – egal ob Rohbautreppen oder Containerzugänge. Für diese Baustelleneinrichtungen kommen meist projektbezogene und speziell angefertigte Konstruktionen aus Holz oder Stahl zum Einsatz. Im Hinblick auf die gestiegenen Anforderungen an die Sicherheit oder die Zeitersparnis bei der Monatge ist das Layher Allround-Gerüst aber eine deutlich wirtschaftlichere Alternative.

tHIS-Magazin: Worin liegen für Bauunternehmen die Hauptvorteile des Allround-Gerüsts?

Roland Hassert: Das ist ganz klar die schnelle und selbsterklärende Montage, mit der auch die Kollegen auf der Baustelle gut zurecht kommen, die nicht Tag für Tag mit Gerüstbau zu tun haben. Dann natürlich die optimale Anpassung auch an komplizierte Gebäudegeometrie. Vor allem aber die hohe Flexibilität im Einsatz: Mit wenigen Grundbauteilen steht ein Baukasten für nahezu alle erdenklichen Anwendungen zur Verfügung – von Tunnelgerüsten und -fahrwagen über Bewehrungs-, Betonier- und Traggerüste bis hin zu Treppen, Überbrückungen oder Einrichtungen für den Lärm-, Staub und Wetterschutz. Layher am Bau, das ist weit mehr als das klassische Fassadengerüst.

tHIS-Magazin: Das klingt nach einem ausgereiften System.

Konrad Böhnke: Ein seit Jahrzehnten bewährtes System, ja, das trotzdem ständig weiterentwickelt wird. Ein Schwerpunkt in unserer Entwicklungsarbeit ist unter anderem die Reduzierung des Bauteilgewichts, da die Gerüstbaudienstleistung immer noch zu 80 Prozent von den Kosten für Montage und Demontage sowie Transport bestimmt wird. Hier setzt unsere neue Philosophie Layher Lightweight an. Alle Lightweight-Produkte sind selbstverständlich im Sinne unseres integrierten Systems mit den Vorgängervarianten kombinierbar. Zulassungen liegen vor.

Roland Hassert: Die Verbreiterung der Einsatzvielfalt unserer Systeme ist ebenfalls eine zentrale Aufgabe unserer Entwicklungsingenieure. Wir haben die Aufgabenstellungen auf Baustellen genau betrachtet und einige Ergänzungsbauteile speziell für diesen Einsatzzweck entwickelt, zum Beispiel unseren modularen Gerüsttreppenturm und die Allround-Traggerüstrahmen TG 60, die sich in Verbindung mit Allround-Systemriegeln und -Systemdiagonalen über die schraubenlose Keilschlossverbindung schnell und einfach zu Traggerüsttürmen mit einer Stieltragfähigkeit von bis zu sechs Tonnen kombinieren lassen. Basis ist aber immer unser Allround-Gerüst.

tHIS-Magazin: Wie steht es mit der Sicherheit?

Roland Hassert: Sehr gut, Sicherheit und Effizienz sind bei Layher kein Widerspruch. Nehmen Sie unser Allround Traggerüst TG 60. Durch die fest vorgegebene Aufbaufolge werden Sicherheitsvorschriften auf Baustellen erfüllt. Gerüstersteller haben bei stehender Montage automatisch einen rundumlaufenden Seitenschutz – selbst ohne Zusatzbauteile wie ein Montage-Sicherungs-Geländer.

tHIS-Magazin: Klingt gut. Wie informieren Sie Bauunternehmer über die Möglichkeiten des Allround-Systems?

Konrad Böhnke: Die Nähe zu unseren Kunden und die persönliche Beratung sind uns überaus wichtig: Gemeinsam mit unserer Schwesterfirma Layher Bautechnik bieten wir vor Ort Beratung durch unsere Vertriebsingenieure beziehungsweise unsere Servicemitarbeiter in den bundesweit über 30 Niederlassungen und Auslieferungslagern. Auch unser erfahrenes Team aus Anwendungs-Technikern, Ingenieuren und Richtmeistern steht unseren Kunden für spezielle Lösungen gerne mit Rat und Tat zur Seite.

tHIS-Magazin: Unterstützen Sie Bauunternehmen auch
bei der Planung?

Roland Hassert: Aber natürlich. Bei Layher gibt es für die Planung von Traggerüsten zum einen eine umfangreiche Technische Dokumentation. Dazu gehören eine geprüfte Typenstatik nach EN 12812:2008-12, Materialbedarfstabellen, Bemessungshilfen für Schalungsträger, Aufbauzeichnungen und die detaillierte Aufbau- und Verwendungsanleitung. Zum anderen steht unser Team an erfahrenen Layher Anwendungsingenieuren Kunden zur Seite – von der Anwendungs- und Baustellenberatung bis hin zur Ausführungsplanung und Projektbegleitung. Wir suchen für jedes Projekt immer die optimale Lösung.

Konrad Böhnke: Ergänzend dazu bieten wir umfassende Schulungs- und Informationsangebote: egal ob die im Winterhalbjahr stattfindenden Seminare, praktische Produktschulungen oder die bewährten Layher Stammtische mit interessanten Fachvorträgen und Diskussionsrunden mit Kollegen aus der Branche. Ebenso ist bei Layher eine Einweisung oder Aufbauhilfe durch praxiserfahrene Richtmeister auf der Baustelle möglich.

tHIS-Magazin: Bieten Sie bei Bedarf Bauunternehmen
auch den Aufbau von Gerüsten an?

Roland Hassert: Nein, das überlassen wir den Profis. Bei der Montage kann die Zusammenarbeit mit Gerüstbauunternehmen entscheidend zur Erhöhung der Effizienz auf der Baustelle beitragen. Als Spezialisten bieten sie eine komplette technische Lösung inklusive Planung, gegebenenfalls Materialbereitstellung und wirtschaftlichem Auf- und Abbau.

Qualifizierte und erfahrene Gerüstbauer montieren nicht nur deutlich schneller als etwa Subunternehmer ohne Gerüstbauerfahrung, sondern können mit ihrem vorhandenen Layher Materialbestand auch viele weitere Aufgaben rund um die Baustelle lösen. Das Leistungsspektrum reicht – wie schon erwähnt – von Betonier- und Bewehrungsgerüsten über Treppentürme und Überbrückungen bis hin zum klassischen Fassadengerüst sowie Baustellenschutz – temporäre Überdachungen oder Einhausungen. Bundesweit gibt es ein dichtes Netz an Layher Gerüstbaukunden. Wir vermitteln gerne den passenden Kontakt.

tHIS-Magazin: Gibt es Größenbeschränkungen bei
Projekten?

Konrad Böhnke: Wir haben eine einzigartige Lieferfähigkeit. Flexible Produktionskapazitäten und große Lagerbestände ermöglichen es uns, jede geforderte Menge zuverlässig und termingerecht bereitzustellen – egal, ob das Material an einem unserer Service-Stützpunkte bereitgestellt wird, oder ob es ans Lager unserer Kunden beziehungsweise „just in time“ direkt auf deren Baustelle geliefert werden soll.

tHIS-Magazin: Wie groß war Ihr bislang größtes Projekt?

Roland Hassert: Für ein Traggerüst zum Betonieren von über 100.000 Quadratmeter großen Deckenflächen aus Fertigplatten und Ortbeton waren beim Bau eines neuen, mehrgeschossigen Gebäudekomplexes bis zu 2.000 Tonnen Allround Traggerüst TG 60 notwendig. Dank unserer hohen Lieferfähigkeit konnten wir das Gerüstmaterial – wir sprechen hier immerhin von über 110 Sattelzügen – mit Baustellenfortschritt termingerecht anliefern.

Wilhelm Layher GmbH & Co KG

www.layher.com

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