Konversion eines ehemaligen Militärgeländes

Entwicklung der Hammonds Barracks in Mannheim

Auf dem ehemaligen Militärgelände Hammonds Barracks in Mannheim entsteht

ein neues Wohnquartier. Für die rund 13.500 Quadratmeter großen Wegflächen fiel die Wahl auf ein Betonpflastersystem mit besonderen Stabilitätseigenschaften.

Die Wohnungsnot zählt derzeit zu den drängendsten gesellschaftlichen Herausforderungen in Deutschland. In vielen Städten übersteigt die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum seit Jahren das Angebot deutlich. Besonders in wachstumsstarken Regionen und Ballungsräumen fehlen Wohnungen für unterschiedliche Einkommensgruppen. Neben der Nachverdichtung im Bestand und Neubaugebieten, rücken daher zunehmend Konversionsflächen in den Fokus der Stadtentwicklung – also ehemalige militärische oder industrielle Areale, die einer neuen Nutzung zugeführt werden. Ein Beispiel dafür ist das Areal der Hammonds Barracks im Mannheimer Stadtteil Seckenheim. Das rund 9,2 Hektar große Gelände wurde über Jahrzehnte militärisch genutzt und 2011 von den US-Streitkräften an den Bund zurückgegeben. Heute entsteht hier ein neues Wohnquartier, das einen Beitrag zur Entlastung des regionalen Wohnungsmarktes leisten soll. Bei der Befestigung der ca. 13.500 Quadratmeter umfassenden Wegflächen, setzten die Planer auf ein Betonpflastersystem mit besonderen Stabilitätseigenschaften.

 

Wohnquartier mit sozialer Infrastruktur

und Nahversorgung

Entwickelt wird das Areal von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Mannheim. Grundlage bildet ein städtebauliches Konzept, das aus einem Wettbewerb im Jahr 2013 hervorging. Der Bebauungsplan wurde 2018 beschlossen, seit 2019 laufen Rückbau- und Erschließungsarbeiten. Geplant ist ein hochwertiges, durchgrüntes Wohnquartier mit etwa 400 Wohnungen für rund 1.000 Einwohner. Die Bebauung umfasst eine Mischung aus Mehrfamilienhäusern, Reihenhäusern und Einfamilienhäusern. Ergänzt wird das Angebot durch soziale Infrastruktur und Nahversorgung: Ein Lebensmittelmarkt, Kindertagesstätten sowie mögliche Büro- und Praxisflächen sollen kurze Wege im Alltag ermöglichen. Ein zentrales Element des Quartiers bildet die sogenannte „Grüne Mitte“. Auf dem ehemaligen Exerzierplatz entsteht ein rund 6.600 Quadratmeter großer Park mit Aufenthalts- und Spielflächen. Bestehende Bäume werden möglichst erhalten und durch zahlreiche Neupflanzungen ergänzt.

 

Freiraumgestaltung als prägendes Element

Eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Hammonds Barracks spielt die Freiraumplanung. Ziel ist ein Quartier, das nicht nur Wohnraum schafft, sondern auch eine hohe Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum bietet. Die großzügigen Grünflächen, Spielbereiche und Aufenthaltszonen werden durch ein dichtes Netz aus Fuß- und Radwegen miteinander verbunden. Gleichzeitig orientiert sich die Gestaltung teilweise an historischen Strukturen des Kasernenareals, etwa durch die Wiederverwendung vorhandener Materialien wie Basaltpflaster. Ein wichtiger Aspekt der Freiraumgestaltung des Areals war die robuste und zugleich gestalterisch hochwertige Befestigung der Wege- und Platzflächen. Verschiebungen in der Pflasterfläche durch Belastung schwerer Fahrzeuge sollten unbedingt vermieden werden. Während die Haupt-Zufahrtstraßen des Geländes asphaltiert wurden, setzten die Planer auf Quartiersstraßen, Stellplätzen, Fußwegen und Aufenthaltsflächen hauptsächlich auf das Pflastersystem CombiStabil von der Firma Beton Pfenning aus Lampertheim.

Pflastersystem mit D-Punkt-Fugentechnik

Das Besondere an diesem Pflastersystem aus der Einstein-Pflasterfamilie ist die D-Punkt-Fugentechnik, die dafür sorgt, dass es bei der Verlegung der Steine nur zu einer punktuellen, minimalen Berührung an den Steinunterkanten kommt. Anders als bei vielen anderen Verbundpflastern mit Abstandhalter- oder Verbund­nocken, bleibt der Anteil der Fläche, an dem sich die Steine berühren aufgrund der Einstein-Pflastertechnologie sehr gering. Eine Knirschverlegung wird so vermieden, die zur Aufnahme von Verkehrsbelastungen notwendige Fuge wird stets eingehalten und so eine optimale Kraftübertragung zwischen den Steinen ermöglicht. Janna Schwarz, Bauleiterin bei der Leonhard Weiss GmbH & Co. KG aus Plankstadt erklärt: „Der Vorteil bei diesem Pflastersystem ergibt sich für uns als Verarbeiter aus den nur punktuell wirkenden und im untersten Flankenbereich der Pflastersteine angebrachten Nocken, die im Falle einer Stein-an-Stein-Verlegung für eine technisch notwendige Fugenbreite sorgen und damit eine vollständige Fugenfüllung erleichtern, auch zwischen den Verbundnocken.

Immerhin sind die Verkehrsflächen mit der Belastungsklasse von BK 3,2 eingestuft, eine dauerhafte Tragfähigkeit für Rettungs-, Entsorgungs- und gelegentlichen Schwerlastverkehr muss also gegeben sein. Dank der integrierten Fugen- und Verschiebesicherung ermöglicht dieses System eine wirtschaftliche und langlebige Flächenbefestigung für unterschiedlich belastete Bereiche. Schub- und Horizontalkräfte, die der Verkehr auf der Fläche verursacht, werden über das Fugenmaterial abgepuffert und in die Tragschichten weitergeleitet. Gleichzeitig lässt sich das System, das im Format 18 x 18 x 10 Zentimeter in den Farben grau und anthrazit geliefert wurde, flexibel in unterschiedliche Gestaltungs- und Nutzungskonzepte integrieren. Die Farbnuancen ermöglichen eine klare gestalterische Unterteilung von Geh-, Park- und Mischverkehrsflächen. „Alles in Allem sind wir davon überzeugt, dass das CombiStabil-Pflastersystem die hohen Anforderungen an Dauerhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit der stark beanspruchten Verkehrs- und Platzflächen im Quartier sehr gut erfüllt“, so Schwarz.

Mit der schrittweisen Vermarktung der Baufelder an Investoren und private Bauherren wird sich das neue Quartier in den kommenden Jahren entwickeln. Das neue Wohngebiet verdeutlicht exemplarisch auch die Chancen der Konversion ehemaliger Militärflächen: zusätzlicher Wohnraum ohne neuen Flächenverbrauch, eine qualitätsvolle Freiraumgestaltung sowie ein durchdachtes Zusammenspiel von Architektur, Infrastruktur und Landschaft. Für Mannheim ist das Projekt nicht nur ein wichtiger Baustein der Stadtentwicklung, sondern auch ein Beispiel dafür, wie aus militärischen Arealen lebenswerte urbane Quartiere entstehen können.

 

Einstein Fugentechnik

www.einstein-pflaster.de

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 03/2025

Flächenbefestigung mit Ecoprec

Umwidmung der Adam-Kaserne in Soest

Bei der Neuentwicklung von Konversionsflächen und den damit einhergehenden Erschließungsmaßnahmen spielt u.a. die Befestigung der Flächen eine entscheidende Rolle. Schön aussehen sollen sie und...

mehr
Ausgabe 4/2024

Urbanes Quartier statt Brachfläche

Auf ehemaligem Fabrikgelände entsteht ein neuer Ortsteil für Lenningen

Auf dem 250.000 Quadratmeter großen Areal der Scheufelen Papierfabrik im schwäbischen Lenningen wurde einst hochwertiges Papier hergestellt und bis nach Übersee exportiert. Nun will der Berliner...

mehr

Flächenbefestigung mit Betonpflastersteinen

Fachtagung lockt fast 300 Kommunale Entscheider, Ingenieurbüros und Architekten nach Mannheim

Nach der Begrüßung durch den geschäftsführenden Gesellschafter Dipl.-Ing. Werner Lahres stellte Dr. rer. nat. Karl-Uwe Voß Beispiele aus dem Sachverständigenalltag zum Thema „Kantenabplatzungen...

mehr
Ausgabe 06/2018

Mit Klinker gestaltetes Wohnquartier

Vollklinkerfassade hebt sich vom baulichen Kontext ab

Am nördlichen Stadtrand Frankfurts, hinter dem Büro- und Wohnquartier Mertonviertel liegend, ist der neue Stadtteil Riedberg mit mehr als 12.000 Einwohnern entstanden. Der Riedberg-Westflügel war...

mehr
Ausgabe 7/2024

Bewährte Flächenbefestigung

Neubau einer Feuerwache in Harsdorf

Dass Feuerwehrfahrzeuge einiges an Gewicht auf die Waage bringen, ist kein Geheimnis. 16 Tonnen Gesamtmasse pro Fahrzeug sind durchaus üblich. Verständlich also, dass Flächen vor den Hallentoren...

mehr