Generationswechsel im Handwerk

Zwei Beispiele aus dem Gerüstbau

Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks werden pro Jahr circa 25.000

Betriebe an die nächste Generation übergeben – allerdings mit abnehmender Tendenz, da geschätzt nur zwei von fünf Betrieben von der Nachfolge-Generation übernommen werden.

Schon vor rund zehn Jahren hätte Ingolf Stuber als Inhaber und Geschäftsführer bei Gemeinhardt Service einsteigen können. Denn früh war wahrscheinlich, dass er die Geschäftsanteile von seinem Vater Walter Stuber übernehmen würde, der zusammen mit Dirk Eckart das Unternehmen für Sondergerüstbau auf die Beine gestellt hat. Doch war es dem damals 34-Jährigen und seiner Frau „zu viel“: die eine Tochter war kurz vorher geboren, die andere gerade im Kindergarten angekommen und der Hausbau stand an. Doch zum 31. Dezember 2025 soll der Generationswechsel nun wirklich vollzogen werden.

Bewusst setzte Ingolf Stuber nach der Schule eine Zäsur: Er ging nach München und absolvierte eine Ausbildung zum Spengler. Schon während dieser Zeit erkannte sein Chef die Führungsqualitäten des Sachsen, machte ihn nach den dreieinhalb Jahren Ausbildung sofort zum Vorarbeiter und ließ ihn zunehmend große Projekte planen und durchführen. Nach 15 Jahren in Bayern kehrte Stuber nach Roßwein zurück und saß zunächst drei Monate am Empfang: „Da lernt man das Unternehmen kennen.“ Danach hat er jede Baustelle besucht, um draußen „bei den Leuten“ Erfahrungen im Gerüstbau zu sammeln. Im April 2013 plante er dann zusammen mit seinem Vater seine erste große Brücke. Unter dem Hängegerüst der Schanzel-Brücke mussten 7,50 Meter Platz für die Schifffahrt bleiben. Dann kam ein Hochwasser – plötzlich stieg die Donau rasant bis 50 Zentimeter unter dem Gerüst: „Da bin ich dann schon nervös geworden.“

 

25.000 Handwerksbetriebe pro Jahr

Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks werden pro Jahr etwa 25.000 Handwerksbetriebe übergeben. Thomas Schmitt von der Handwerkskammer Region Stuttgart schätzt, dass aktuell etwa in zwei von fünf Betrieben Sohn oder Tochter übernehmen. Tendenz allerdings sinkend. Der Moderator für Unternehmensnachfolge der Handwerkskammer Region Stuttgart und selbst Handwerksmeister, begleitet 60 bis 80 Betriebe pro Jahr intensiv bei diesem Prozess. Er sagt, dass gegenwärtig viele „Junge“ eher die enorme Belastung bei den Eltern wahrnehmen als die großen Gestaltungsmöglichkeiten. Immerhin kann ein weiteres Fünftel der Inhaber den Betrieb an einen Meister innerhalb des Betriebes weitergeben. Dagegen müssen zwei Fünftel „woanders“ auf die Suche gehen. Ein schwieriges Unterfangen, so der Stuttgarter, denn Interessenten können sich den Betrieb aussuchen. Um überhaupt eine Chance auf einen akzeptablen Preis zu haben, müssen die betriebswirtschaftliche Lage stabil sein, die Maschinenausstattung eine Perspektive bieten und die Mitarbeiterstruktur eine gute Mischung aus Erfahrung und Wissen besitzen.

Wird der Betrieb innerhalb der Familie weitergegeben, sollten sich Eltern und Kinder auf ein Zieldatum innerhalb der kommenden drei bis fünf Jahre einigen. „Das sorgt für Klarheit“, so Schmitt, „aber kann aus guten Gründen auch nochmals verschoben werden.“ Es ist wichtig, diese Zeit zu strukturieren. Einerseits müssen aus den mitarbeitenden Kindern Unternehmer und Gestalter werden, die zunehmend die volle Verantwortung übernehmen – für Personalentscheidungen oder für die Unternehmensentwicklung, die immer mit Risiken verbunden ist. Je nach Ausbildung und bisherigem Werdegang sind fachliche Qualifikationen nachzuholen oder müssen betriebswirtschaftliches und Managementwissen gebimst werden. „Es kann sinnvoll sein, dass die Nachfolger für ein, zwei Jahre in einem anderen Betrieb arbeiten, um neue Blickwinkel zu gewinnen“, sagt Schmitt.

Aber auch den Inhabern steht eine Persönlichkeitsentwicklung bevor, so der Coach und Moderator: Entscheidungen aus der Hand zu geben, als Leitwolf in die zweite Reihe zurückzutreten, anderes Denken zu akzeptieren und moderne Impulse für die Entwicklung des Betriebes hinzunehmen, sind eine große Herausforderung für die ältere Generation. Schließlich steckt deren Herzblut in dem Betrieb. Es sei deshalb wichtig, eine wertvolle Zukunftsperspektive jenseits der bisherigen Arbeit zu entwickeln, um weiterhin gestalten zu können, sich zu freuen und positive Rückmeldungen zu bekommen.

Tatsächlich baut Walter Stuber bereits nebenher eine „Top Mastermind-Gruppe“ von Geschäftsführern unterschiedlicher Unternehmen auf: „Ich habe in meinen mehr als 48 Berufsjahren so viel Erfahrungen gesammelt und Modernisierungen initiiert, dass ich anderen Unternehmern Mut machen und sie miteinander in den Austausch bringen möchte.“ Zum Jahreswechsel scheidet er als Inhaber und Geschäftsführer nach genau 25 Jahren endgültig aus seinem Unternehmen aus, damit das neue Duo seinen Weg findet.

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