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| Navigation | 14.01.2014

GÜTESCHUTZVERBAND BETONSCHALUNGEN GSV

„Sichere Arbeitsmittel bedeuten einen ökonomischen Nutzen“

Interview mit Univ.-Prof. Dr.-Ing. Christoph Motzko, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Baubetrieb an der Technischen Universität Darmstadt und Vorsitzender des Güteschutzverbandes Betonschalungen e.V. (GSV)

  • ((Für Interview))

  • ((Für Interview))

  • ((Für Kasten Güteschutzverband))

  • links: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Christoph Motzko, Leiter des Institut für Baubetrieb, Technische Universität Darmstadt, ist seit 1999 Vorsitzender des Güteschutzverbandes Betonschalungen e.V.rechts: Dr.-Ing. Olaf Leitzbach, bei der Meva Schalungs-Systeme GmbH verantwortlich für die Bereiche Werkstoff-Entwicklung und Patentwesen, betreut beim GSV den Bereich Technik.

  • Dr.-Ing. Olaf Leitzbach, bei der Meva Schalungs-Systeme GmbH verantwortlich für die Bereiche Werkstoff-Entwicklung und Patentwesen, betreut beim GSV den Bereich Technik.

tHIS: Hallo, Herr Prof. Motzko. Sie üben ja nicht nur Ihre Forschungs- und Lehrtätigkeit aus und stehen dem Institut für Baubetrieb vor, Sie sind ja auch Vorsitzender des Güteschutzverbandes Betonschalungen. Wo liegt aus ihrer Sicht der Reiz Ihrer Tätigkeit für den Güteschutzverband?

Prof. Motzko: Da gibt es vieles. Im Güteschutzverband sind ja nicht nur alle wichtigen Hersteller von Schalungssystemen vertreten, sondern auch Anwender. Die schauen aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Markt, haben unterschiedliche Probleme, entwickeln unterschiedliche Lösungsansätze. Es entsteht ein ganz besonderer Praxisbezug, der es ermöglicht, vieles voranzubringen, auch Forschungsansätze abzuleiten. Außerdem sind die Herausforderungen an unseren Verband als aufklärende, qualitätssichernde Instanz heute aktueller denn je.

tHIS: Wie das?

Prof. Motzko: Etwa deshalb, weil Schalungshersteller aus verschiedenen Regionen verstärkt mit minderwertigen Schalungsprodukten oder Nachbauten auf den deutschen  bzw. europäischen Schalungsmarkt drängen. Minderwertige Materialien kann man nicht immer auf den ersten Augenschein erkennen. Auf Baustellen kann der Einsatz minderwertiger Schalungsprodukte dann zu eklatanten Sicherheitsrisiken und Qualitätsproblemen führen. Wenn dann etwas passiert, leidet natürlich auch der Ruf der seriösen Hersteller – oder noch schlimmer, die Gesundheit von Menschen.

tHIS: Was können Sie dagegen tun?

Prof. Motzko: Wir machen aufmerksam. Wir entwickeln und propagieren beispielsweise Qualitätsstandards. Auch das Mitwirken von meinem Kollegen Olaf Leitzbach und weiteren GSV-Vertretern in Normungsausschüssen zielt in diese Richtung. Darüber hinaus haben wir natürlich auch eine informierende, beratende Funktion, auch für Nicht-Mitglieder. Wir veröffentlichen zahlreiche Merkblätter, etwa zur sicheren Verwendung von Schalungen und Traggerüsten, Hinweise zur Handhabung und Pflege von Schalungsgerüsten, Qualitätskriterien für Mietschalungen und, und, und. Die Mitglieder unseres Güteschutzverbands haben sich der Qualität verpflichtet, und müssen den Qualitätsanforderungen der GSV genügen. Wir haben beispielsweise 1995 ein eigenes Gütesiegel entwickelt und eingeführt. Jeder Hersteller von Schalungen, der im GSV Mitglied ist, muss sein umsatzstärkstes Produkt diesem Gütesiegel unterwerfen.

tHIS: Welche Voraussetzungen müssen für die Vergabe des Gütesiegels erfüllt werden?

Prof. Motzko: Wir führen aufwendige Prüfungen durch. Wir bestimmen beispielsweise die mechanischen und chemischen Materialeigenschaften der verwendeten metallischen Werkstoffe, oder überprüfen die Schweißnähte. Wir schauen auf die Geometrie einer Rahmenschalungstafel, oder auf die Geometrie der verwendeten Querschnitte. Da betreiben wir viel Aufwand.
Das „GSV geprüft“-Gütesiegel hat sich nicht umsonst international etabliert. Unsere Zertifizierung hat sich beispielsweise zum Quasi-Standard für Mietschalungen entwickelt, und viele andere Länder nutzen das Siegel als Richtschnur für eigene Gesetze und Vorschriften.

tHIS: Wer also die Produkte der Schalungshersteller aus dem Güteschutzverbund nutzt, kriegt schon mal einen gewissen Mindeststandard?

Prof. Motzko: Einen Mindeststandard, ja, wenn Sie das so nennen wollen, aber auf sehr hohem Niveau. Es gibt natürlich Unternehmen und Baustellen, bei denen die Anwendung sicherheitsrelevanter Elemente gelegentlich hinter kaufmännischen Aspekten zurückstehen muss. Das ist bedauerlich, aber das ist nicht die Regel. Die meisten Bauunternehmen haben verstanden, dass Ergonomie und Sicherheit Effizienz und eine reduzierte Fehlerquote zur Folge haben. Wer sich bei der Arbeit sicher fühlt, ob an einer Maschine, an einer Schalung, auf einem Gerüst, der arbeitet schneller, konzentrierter, effizienter. Das bestätigt auch eine Untersuchung, die wir zu diesem thema durchgeführt haben. Unbestreitbar bedeuten sichere Arbeitsmittel ein geldwerten Nutzen.

tHIS: Reicht das, um Baustellen sicher zu machen?

Prof. Motzko: Die Schwierigkeiten liegen eher woanders, oft in unzureichender Kenntnis der Gesetzeslage oder von Vorschriften. Ein Bauunternehmer muss beispielsweise bei jedem Projekt eine Gefährdungsanalyse durchführen. Zwingend. Sowohl bei großen als auch bei mittelständischen Bauunternehmen, bei großen Bauprojekten ist das inzwischen selbstverständlich. Im Bereich kleiner Bauprojekte macht man sich nicht immer ausreichend Gedanken. Aber grundsätzlich hat die Sicherheit auf Baustellen in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert.

tHIS: Dann sind deutsche Baustellen sicherer als andere?

Prof. Motzko: Natürlich ist jeder Unfall, der passiert, ein Unfall zuviel. So gesehen gibt es auch hier in Deutschland mehr Unfälle als nötig. Dennoch liegt Deutschland im internationalen Vergleich recht gut. Sie haben aber auch in sehr vielen anderen Ländern, etwa in Frankreich, in Österreich oder in der Schweiz, hohe Standards. Sicherheit ist keine Frage der Nationalität, eher eine Frage der Ausbildung.

Deutschland mit seinem dualen Ausbildungssystem, mit der praktischen Ausbildung im Betrieb und der theoretischen Ausbildung in der Berufsschule, macht das richtig. Da erfolgt schon in der Ausbildung eine starke Sensibilisierung für das Thema Arbeitssicherheit.

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