Sicherheit und Komfort gleichermaßen

Welche Faktoren beeinflussen den Tragekomfort von Schutzkleidung?

Häufig ist Arbeitsschutzbekleidung nicht bequem genug für extremen Bedingungen. Da PSA nur schützt, wenn sie korrekt getragen wird, sollten nicht nur relevante Standards und Normen, sondern auch Komfortaspekte berücksichtigt werden.

Beispiel für leichte Arbeitsschutzbekleidung mit Störlichtbogenschutz Klasse 2: Pyrad by Gore-Tex Labs Beispiel für leichte Arbeitsschutzbekleidung mit Störlichtbogenschutz Klasse 2: Pyrad by Gore-Tex Labs
© Gore-Tex Professional

Beispiel für leichte Arbeitsschutzbekleidung mit Störlichtbogenschutz Klasse 2: Pyrad by Gore-Tex Labs
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Je nach Beruf gehört zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA) Körperschutz wie Jacken und Hosen, Kopf- und Augenschutz sowie Gehör-, Atem-, Hand- und Fußschutz. Entsprechende EU-Normen beinhalten konkrete Vorgaben zum höchstmöglichen Schutz durch PSA beispielsweise vor Wasser, Hitze, Flammen oder elektrostatischen Eigenschaften. Komfort hingegen wird zumeist individuell verschieden wahrgenommen. Doch gibt es mehrere Faktoren, die den Tragekomfort beeinflussen und bei der Anschaffung von Arbeitsschutzbekleidung berücksichtigt werden sollten:

Geringes Gewicht

In der Vergangenheit haben die komplexen Anforderungen an Schutzbekleidungen dazu geführt, dass das Gewicht der Bekleidung in der Produktentwicklung lange eine eher sekundäre Rolle spielte. Dabei steht ein geringes Gewicht bei den Eigenschaften, die den Tragekomfort bestimmen, an erster Stelle: Mit leichterer Kleidung muss sich der Träger weniger anstrengen, hat mehr Bewegungsfreiheit und kann damit mehr und länger leisten. Technische Entwicklungen bei den verwendeten Materialien, Textilien und Geweben machen heute Alternativen für die Arbeitsschutzbranche möglich, die das Gewicht reduzieren. Ein Beispiel aus dem Bereich der PSA gegen Störlichtbogen (PSAgS): Basierend auf der Gore-Tex Pyrad-Textiltechnologie wurden erstmals einlagige Arbeitsanzüge mit Störlichtbogenschutz Klasse 2 für den täglichen Einsatz gefertigt, die bis zu 50 Prozent leichter als vergleichbare, marktverfügbare PSAgS sind.

Hohe Bewegungsfreiheit

Wird die Kleidung beim Tragen kaum bzw. nicht negativ bemerkt, arbeitet es sich effektiver und unbeschwerter. Für die Bewegungsfreiheit spielen die Webart und Faserzusammensetzung der Stoffe sowie die z.T. aus Sicherheitsgründen geforderte Mehrlagigkeit des schützenden Materials eine besondere Rolle. Neueste Entwicklungen wie intelligentere Konstruktionen und elastische Materialien wirken sich ebenfalls positiv auf die Bewegungsfreiheit aus. Auch der Schnitt der Kleidung selbst ist relevant – nur bequeme Passformen, die einer ergonomischen Schrittführung folgen, engen nicht ein. Wichtig ist dabei eine Balance aus Bewegungsfreiheit und Passform: Eine hohe Passgenauigkeit kann erreicht werden, indem die Körpermaße des jeweiligen Trägers sehr genau mit den Größen der Schutzkleidung abgeglichen werden.
Im Gore Garment Center werden Textiltechnologien in Konstruktionen für Sicherheitsbekleidung übersetzt und dabei Schnitte wie Passformen bis ins kleinste Detail durchdacht. Im Gore Garment Center werden Textiltechnologien in Konstruktionen für Sicherheitsbekleidung übersetzt und dabei Schnitte wie Passformen bis ins kleinste Detail durchdacht.
© Gore-Tex Professional

Im Gore Garment Center werden Textiltechnologien in Konstruktionen für Sicherheitsbekleidung übersetzt und dabei Schnitte wie Passformen bis ins kleinste Detail durchdacht.
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Hohe Atmungsaktivität

Eine funktionsfähige, komfortable Arbeitsschutzkleidung sollte ihre Träger bei der Regulierung ihrer Körpertemperatur unterstützen und atmungsaktiv sein. Atmungsaktive Schutzkleidungsgewebe leiten Feuchtigkeit von der Haut nach außen ab und sorgen damit für ein angenehmes Trageklima. Bei Kälte bieten die Textilien eine ausreichende Wärmeisolation, bei Wärme oder körperlicher Belastung ermöglichen sie ein Verdampfen des Schweißes, um die Kühlung des Körpers zu unterstützen. Ein gängiger Wert zur Bestimmung der Atmungsaktivität von Kleidung ist der RET-Wert (Resistance to Evaporating Heat Transfer; DIN EN 343 – 2010-05). Er beschreibt den Widerstand, den ein Stoff dem Wasserdampf entgegensetzt. Je geringer der Wert, desto atmungsaktiver ist die Funktionskleidung. Schutzkleidung sollte einen RET-Wert von 13 nicht überschreiten.

Optimaler Regenschutz

Atmungsaktiv von innen, gleichzeitig wasserdicht von außen – dies sind wichtige Komfortvoraussetzungen. Wasserdichte Materialien, beispielsweise mit Gore-Tex Pyrad Produkttechnologie, verhindern, dass Regen durch die textilen Außenlagen eindringt und die darunterliegenden Bekleidungsschichten nass werden. Wichtig dabei ist, dass die PSA dauerhaft, also auch nach vielen Waschzyklen, wasserdicht bleibt.

Lange Haltbarkeit

Die Haltbarkeit von Schutzkleidung kann durch angemessene Pflege und Reinigung gewährleistet werden. Dazu gehört die visuelle Kontrolle der PSA vor Gebrauch, fachgerechte Reparatur von etwaigen Schäden sowie regelmäßiges Waschen – insbesondere dann, wenn die Schutzkleidung täglich getragen wird. Durch das Waschen wird die Bekleidung nicht nur von Schmutz und Schweiß gereinigt, sondern auch die Imprägnierung reaktiviert. Die entsprechende EU-Norm sieht mindestens 50 Wäschen in der heimischen Waschmaschine vor. Moderne Funktionstextilien können aber 100 und mehr Wäschen ohne Qualitätsverlust erreichen. Grundsätzlich gilt: Bei der Reinigung ist den Vorgaben des Herstellers auf der Schutzkleidung über Reinigungsmethode, Reinigungsmittel und Waschvorschriften unbedingt Folge zu leisten. Für zahlreiche Schutzkleidungen sind zudem Waschverfahren in Normen festgelegt.

Gleichklang von Sicherheit und Tragekomfort

Trotz aller aufgeführten Anforderungen an den Komfort einer Arbeitsschutzbekleidung steht der Schutz der Träger immer an erster Stelle. Gleichzeitig sollte persönliche Schutzausrüstung sprichwörtlich mitwachsen, um den steigenden Bedürfnissen der Träger nach Komfort ebenfalls gerecht zu werden. Gewebehersteller und Konfektionäre von PSA reagieren hier und entwickeln innovative Produkte. Neuartige Textilien aus dem Outdoorbereich ermöglichen normgerechte Modelle wie Softshell- und Fleecejacken, andere Materialien wie beispielsweise elastische Gewebe finden allmählich ihren Platz in neuen Arbeitsschutzkollektionen. Ziel sollte ein optimaler Gleichklang von Tragekomfort und Sicherheit sein, denn dann wird PSA auch unter schweren Bedingungen akzeptiert. 

www.gore-tex.com

Autor: Leonhard Schlichting, Leiter Workwear bei W. L. Gore & Associates
© Gore-Tex Professional

Autor: Leonhard Schlichting, Leiter Workwear bei W. L. Gore & Associates
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Wie in vielen anderen Bereichen ist auch in der Bauhauptbranche der Ruf nach einer komfortablen Arbeitsschutzbekleidung laut, die nicht nur vollumfänglich schützt, sondern auch nachhaltig ist. Viele Hersteller sind bereits darauf eingestellt – ein Beispiel ist Gore-Tex Professional, deren Anspruch es ist, mit Produkttechnologien Menschen zuverlässig zu schützen und dabei geltende Richtlinien zu Sicherheit und Umweltschutz zu erfüllen. Gore setzt auf die Langlebigkeit seiner Produkttechnologien, was laut Ökobilanz ISO 14040/44 der wirkungsvollste Hebel ist, den ökologischen Fußabdruck zu verringern. Das Unternehmen arbeitet zudem mit dem Standard 100 von Oeko-Tex, dem Label für schadstoffgeprüfte Textilien und ist seit 2010 als Systempartner von bluesign zertifiziert, einem höchst anspruchsvollen und umfassenden Umwelt- und Sicherheitsstandard für die Textilindustrie. Gore-Tex Professional arbeitet an der weiteren Reduktion bzw. Eliminierung sogenannter ökologisch bedenklicher PFCs sowie der Entwicklung und Einführung nachhaltiger Innovationen, beispielsweise an dem Einsatz von recycelten Materialen oder klimaschonenden, spinndüsengefärbten Textilien.

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