Überflutungsvorsorge und Regenwasserbehandlung im Fokus

10. DWA-Regenwassertage in Bad Soden

Am 10. und 11. Mai 2011 fanden die 10. Regenwassertage der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) in Bad Soden statt. Etwa 150 Teilnehmer trafen sich zu dieser Jubiläumsveranstaltung im Taunus vor den Toren der Rhein-Main Metropole Frankfurt.

Prof. Dohmann und Dr. Grau führten wie in den vergangenen Jahren durch ein hochkarätiges Tagungsprogramm, in dem aktuelle Fragestellungen aus den Bereichen Überflutungsvorsorge, zentrale und dezentrale Regenwasserbehandlung, Versickerung sowie Regenwassernutzung vorgestellt und diskutiert wurden.

Attraktives Rahmenprogramm

Die Veranstaltung wurde auch in diesem Jahr durch ein attraktives Rahmenprogramm begleitet. Hierzu gehörte neben einer großen Fachausstellung rund um den Tagungssaal auch eine Exkursion zu den im Bau befindlichen Regenwasserbehandlungsanlagen an der neuen Landebahn Nordwest des Flughafens Frankfurt am Main. Neben der Besichtigung der Bodenfilteranlagen gehörte auch eine Rundfahrt um die neue Landebahn und ein Spaziergang über die neuen Roll- und Rohrbrücken über die Autobahn A3 mit zum Programm. Das Entwässerungssystem der neuen Landebahn umfasst ca. 60 km Entwässerungskanäle mit über 700 Schächten. Das Herzstück der Regenwasserbehandlung bilden Speicherbecken und Bodenfilter mit insgesamt ca. 43 000 m3 Volumen. Das anschließende gemeinsame Abendessen und die Pausen in der Ausstellung boten den Teilnehmern und Ausstellern viele Gelegenheiten zum Kennenlernen und zum Erfahrungsaustausch.

Fachvorträge zu aktuellen Fragestellungen

Einen Schwerpunkt des ersten Veranstaltungstages bildeten Vorträge zu den Aspekten Regenwasserbewirtschaftung und -behandlung. Praxisbeispiele und Erfahrungsberichte aus Frankfurt am Main und der Emscherregion zur Umsetzung von ganzheitlichen Regenwasserbewirtschaftungskonzepten zeigten die Möglichkeiten und Vorteile einer fachübergreifenden Herangehensweise auf. Die Beispiele machten jedoch auch deutlich, dass eine sorgsame Grundlagenplanung und nach der Umsetzung der Maßnahmen ein verantwortungsbewusster Betrieb unerlässlich sind, um einen langfristigen Erfolg sicherzustellen.

Berichte zu Planungsbeispielen zentraler oder dezentraler Regenwasserbehandlungsanlagen aus St. Augustin und Wuppertal zeigten, dass je nach Einzugsgebietscharakteristik unterschiedliche Systeme wirtschaftliche Vorteile bieten können. Analysiert wurden u. a. Straßeneinlaufeinsätze, Filterschachtsysteme und konventionelle Regenklärbecken. In Wuppertal wurde ergänzend eine verschmutzungsabhängige Kanalnetzsteuerung untersucht und letztendlich auch umgesetzt. Für alle Systeme gilt jedoch, dass neben den Investitionskosten die Aufwendungen für den Betrieb und die Überwachung der Anlagen sorgsam mit in die Systemwahl einbezogen werden müssen.

Prüfverfahren für dezentrale Niederschlagswasserbehandlung

Mit Spannung erwartet wurden auch die Ausführungen zum aktuellen Stand der Prüfverfahren für dezentrale Niederschlagswasserbehandlungsanlagen. Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) entwickelt seit 2005 Zulassungsgrundsätze für das Versickern über Flächenbeläge in das Boden- und Grundwassersystem, gegenwärtig allerdings nur für Verkehrsflächenabflüsse. Zudem wurde ein Prüfverfahren für die Behandlung von Verkehrsflächenabflüssen in Filtersystemen zur Einleitung in das Grundwasser entwickelt. Das Prüfverfahren wird aktuell weiter optimiert. Weitere länderspezifische Regelungen und Zulassungsverfahren sowie aktuelle Forschungsprojekte, u. a. zu Zulassungsverfahren zur Einleitung von Mischflächenabflüssen in Oberflächengewässer, wurden vorgestellt und diskutiert. Abschließend wurde darauf hingewiesen, dass unabhängig von dem Prüfverfahren eine Untersuchung des tatsächlichen Betriebsverhaltens (Kolmation) zur Entwicklung einer optimalen Betriebsstrategie im Praxisbetrieb erfolgen sollte.

Überflutungsvorsorge und Risikomanagement

Den Themenschwerpunkt des zweiten Veranstaltungstages kennzeichneten verschiedene Beiträge zum Thema Überflutungsvorsorge, Risikomanagement und Modellierung von Abflussvorgängen.

Wie ein roter Faden zog sich durch viele Vorträge der Appell, die Aufgaben der Stadtplanung und -entwicklung enger mit urbanhydrologischen Fragestellungen zu koppeln. Auf Grundlage von Gelände- und Kanalnetzmodellen ist es den Entwässerungsplanern heute möglich, neben Abflusswegen auf der Oberfläche für kritische Überflutungsbereiche auch Wasserstände und Fließgeschwindigkeiten mit ausreichender Genauigkeit zu berechnen. Darüber hinaus kann das Abflussgeschehen in kleineren urbanen Gewässern (Sturzfluten) gemeinsam mit den Abflüssen im Kanalnetz und dem städtischen Einzugsgebiet betrachtet werden. Anlagen der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung kommt dabei in der Maßnahmenplanung und den Nachweiskonzepten eine besondere Bedeutung zu. Darüber hinaus wurden Methoden zur Online-Überwachung von Entwässerungssystemen zur abgesicherten Hochwasservorhersage vorgestellt.

Neben der Planung kommt der Ausrüstung, dem Betrieb und zukünftig auch der Ertüchtigung von Bauwerken der Regenwasserbehandlung eine zentrale Bedeutung zu. Datenauswertungen zum Betriebsverhalten zeigen, dass 40 % aller Regenüberlaufbecken  nicht optimal entworfen oder bemessen sind. Häufig lassen sich jedoch erst mit einem entsprechenden Monitoring der Anlagen Defizite erkennen und Sanierungen erfolgreich planen.

Weiterentwicklung der Regelwerke

Auf besonderes Interesse stießen auch die Vorträge zur  Weiterentwicklung des DWA-Regelwerks im Bereich Niederschlagswasserbehandlung. Aktuell befinden sich in verbandsübergreifender Kooperation zwischen DWA und dem Bund der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau (BWK) das „Emissionspapier“ DWA-A 102 und das „Immissionspapier“ BWK-A 3 in Erarbeitung.

Im Arbeitsblatt DWA-A 102 werden die emissionsbezogenen Regelungen aus ATV-A 105, ATV-A 128 / M 177 und DWA-M 153 fortgeschrieben. Es soll u. a. eine einheitliche Bewertung der „Niederschlagsabflüsse“ für Misch- und Trennsysteme erfolgen sowie Kriterien zur Begrenzung von Emissionen und eine Kategorisierung der „Abflussverschmutzung“ erarbeitet werden. Dabei werden derzeit die abfiltrierbaren Stoffe (AFS) als Leitparameter für die Emissionsbetrachtungen vorgeschlagen. Das BWK-A 3 wird die beiden Immissionspapiere BWK-M3 und M7 zusammenfassen und Aspekte des Merkblatts DWA-M 153 einbeziehen. Vorgesehen sind u. a. eine Überprüfung bzw. Neuformulierung der Nachweisgrößen und Grenzwerte einschl. Datengrundlage, die Einbeziehung der Stoffparameter AFS und TOC sowie die Überarbeitung des biologischen Nachweises.

Angeregt diskutiert wurden der aktuelle Bearbeitungsstand des Arbeitsblatts DWA-A 166 und der Ausblick auf die anstehende Überarbeitung des Merkblatts DWA-M 176.

Abgerundet wurde das Programm durch Vorträge zum Aufwand und Nutzen von Kanalnetzsteuerungen und einem Überblick über aktuelle Aspekte der Regenwassernutzung.

Alle Vorträge sind auf der DWA-Homepage unter www.dwa.de (Rubrik: Veranstaltungen – Rückblick) als Download verfügbar. Die gedruckten Tagungsbeiträge können bei der DWA-Bundesgeschäftsstelle bestellt werden. Es bleiben zahlreiche aktuelle fachliche Impulse, neue Kontakte und aufgefrischte Bekanntschaften, schöne Erinnerungen und besonders die Vorfreude auf ein Wiedersehen zu den 11. Regenwassertagen 2012.n

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