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| Navigation | 16.11.2018

Vom Ich zum Wir – (Teil 2)

Moderne Führungskultur

Arbeit soll künftig vernetzter, flexibler und agiler werden. Wir beschäftigen uns im zweiten und letzten Teil mit den Themen Fachkräftesicherung, Innovationen und Krisenstabilität in volatilen Märkten.

  • Abbildung: Pexels / Pixabay.com

Nachdem wir in Teil 1 unserer Artikelserie auf den Rollenwechsel vom Leader zum Coach, Teambuilding und Sinnhaftigkeit im Job konzentrierten, erfahren Sie nun fünf weitere effektive Erfolgsgebote des renommierten Führungsexperten Mike Fischer. Der 55-jährige Multiunternehmer, Autor und Redner hat eine Roadmap zur Mitarbeiterführung entwickelt. Losgelöst von Branche und Zweck des Unternehmens funktioniert sie für viele Mittelständler und sichert die Geschäftserfolge von heute auch in Zukunft.

Gebot Nr. 5: Stärken Sie Ihre Arbeitgebermarke

Der Mangel an Facharbeitern entwickelt sich im Baugewerbe immer mehr zum Geschäftsrisiko. Ingenieure, Fachkräfte und Azubi-Nachwuchs zu finden, ist heute schwieriger geworden als noch vor 20 Jahren. Schwere Malocherjobs werden immer unbeliebter. Die Branche konkurriert mit besser bezahlten Industriearbeitsplätzen. Dazu kommt: Bauausführende Unternehmen sind als Arbeitgebermarke oft unattraktiv. Bleibt also nur der „War for Talents“ – die besten Mitarbeiter von der Konkurrenz abwerben? Gut, dann müssen Sie auch besser als Ihre Mitbewerber sein! Es gibt kreativere Wege. Fragen Sie zuallererst Ihre Mitarbeiter, warum es sich lohnt bei Ihnen zu arbeiten? Wenn Ihre Mitarbeiter schon nicht wissen, was Ihr Unternehmen sexy macht, werden sie nach außen kein gutes Wort darüber verlieren. Kollegen, die für ihren Job brennen, weil Sie beispielsweise an einem tollen Großprojekt mitarbeiten, erzählen dies automatisch weiter. Sie sprechen Empfehlungen aus. Sie ziehen die Leute an, die Sie brauchen. Dies können Sie noch verstärken, indem Sie Beschäftigte dazu ermutigen, sich in unternehmenseigenen Social-Media-Kanälen einzubringen. Beispiele: Kununu, Jobvoting, Facebook oder Bewertungen im Google-Business-Eintrag Ihrer Firmen-Homepage.

Gebot Nr. 6: Raus aus der Komfortzone, rein in den Wettbewerb

„Die Gewohnheit ist ein Seil. Wir weben jeden Tag einen Faden, und schließlich können wir es nicht mehr zerreißen.“, so der Nobelpreisträger Thomas Mann. Eine weitere Möglichkeit für den strategischen Aufbau Ihrer Arbeitgebermarke sind Wettbewerbe. Trauen Sie sich und beteiligen Sie sich an regionalen und überregionalen Wettbewerben. Das kann ein Kräftemessen innerhalb der Branche sein. Oder Wettstreite, wie Great Place To Work und Top-Job, für die besten Arbeitgeber im Mittelstand. Den Finalisten winken neben Sach- oder Geldprämien häufig jede Menge Medienaufmerksamkeit, Auszeichnungen, Inspirationen und der Austausch mit anderen erfolgreichen Firmen.

Gebot Nr. 7: Gründen Sie Ihre eigene Unternehmensakademie

Nutzen Sie Ihre eigene (virtuelle) Unternehmensakademie als nachhaltiges öffentlichkeitswirksames Instrument, sowohl für Ihre Personalentwicklung als auch Mitarbeitersuche. Ihre Akademie braucht nicht mal eine IHK-Zulassung. Sie verursacht keine Kosten, kein weiteres Personal, keine neue Software und auch keinen organisatorischen Mehraufwand. Sie brauchen lediglich ein gutes Seminarprogramm, spannende Referenten und aufregende Locations. So werden Sie bei potenziellen Mitarbeitern sowie Quereinsteigern punkten und können diese nachhaltig an sich binden. Warum nicht einen Baukongress „Wohnen 2030“ oder „Bauberufe mit Zukunft“ veranstalten? Laden Sie dazu Insider, Branchenfremde, Abiturienten und Studenten ein. Für letztere sollte das Angebot kostenfrei sein. Denn angehende Young Professionals stellen sich die Frage: Wo will ich später einmal arbeiten?

Gebot Nr. 8: Geben Sie Ideen eine Zukunft

Niemand kennt Ihr Unternehmen besser als Ihre Mitarbeiter. Doch manche Unternehmen haben eine Art Immunsystem, die jede neue Idee wie eine Störung behandelt. Hier ist zuallererst die Führungskraft gefragt, weil sich eine Ideenkultur nicht von oben verordnen lässt. Sie muss vom Chef vorgelebt werden. Am besten gelingt das in einem Klima ohne Angst, dafür mit Wertschätzung, Gleichberechtigung und Zuverlässigkeit. Wichtig: Eine Idee ist erst dann gut, wenn der Mitarbeiter sie selbst einbringt, selbst plant, selbst kalkuliert und auch umsetzt. Jeder Mitarbeiter sollte folgende Fragen beantworten können:

Was ist meine Idee und was bringt sie uns?

Wie und bis wann kann sie umgesetzt werden?

Was wird sie uns kosten?

Mike Fischer sagt dazu „Umdenkfabrik“. Jeder Mitarbeiter entwickelt monatlich eine Idee, sammelt Feedback im Team und der beste Vorschlag wird ausgewählt. Für alle Ideen, deren Umsetzungskosten unter 200 Euro liegen, bedarf es keiner Zustimmung der Kollegen. Rund 80 Prozent aller Innovationen sind so bei ihm entstanden – ein unbezahlbarer Mehrwert.

Gebot Nr. 9: Werden Sie antifragil

Stellen Sie sich zwei Fragen: Erstens – Was ist das Schlimmste, was unserem Unternehmen heute passieren kann? Und zweitens – Wie müssten Sie von jetzt an Ihr Unternehmen aufstellen, damit Sie auch in Krisenzeiten darauf bauen können? Unsere Welt ist volatil – unsicher, komplex, mehrdeutig. Ausgehend von einem hypothetischen Worst Case, ist Ihre Fähigkeit gefragt, auf unvorhersehbare, den Unternehmenserfolg gefährdende Ereignisse, richtig zu reagieren. Diskutiert wird dieses Thema aktuell unter dem Begriff „Antifragilität in Unternehmen“. Wie ist das zu erreichen? Ein Aspekt ist der des Sicherheitspuffers. Statt Projekte, Budgets oder Kapazitäten bei Mitarbeitern so „auf Kante zu fahren“, dass nichts mehr geht, sind Organisationen mit Reserven von vornherein flexibler gegen Volatilität gewappnet. Antifragiler zu führen, heißt also nichts anderes, die Zukunft vorwegzunehmen, um Sie heute schon zu gestalten.

Fazit: Erfolg hat, wer Regeln bricht

Unterm Strich bedeutet moderne Führungskultur, viele Dinge im Unternehmen wegzuräumen, die es bürokratisch, eng, autistisch und hierarchisch machen. Eine gute Führungskraft ist deshalb eine, die Überlebtes in den Mülleimer wirft und Räume für Mitarbeiter und Teams öffnet, die sich bestmöglich entfalten können.

Fischer Academy GmbH

www.fischer-academy.de

Mike Fischer, 55, ist Multiunternehmer und Inhaber der bekannten Fischer Academy, eine der innovativsten und umsatzstärksten Fahrschulen Deutschlands. Der renommierte Führungs- und Mobilitätsexperte blickt auf eine fast 30-jährige Unternehmerkarriere zurück und gibt Seminare zu den Themen Führungskultur sowie Unternehmerenergie.
Kontakt: mike@fischer-academy.de

Autor: Holger Dabow

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