Risiken kennen und Absturzunfälle vermeiden

4. Fachkongress für Absturzsicherheit 2019

Risiken minimieren und Mitarbeiter schützen: Knapp 250 Teilnehmer/innen

kamen zum Kongress, um sich über das Thema Absturzsicherheit zu

informieren und auszutauschen.    

Zwei Drittel aller tödlichen Abstürze ereignen sich aus weniger als fünf Metern Höhe, berichtete André Büschkes, Vizepräsident des Zentralverbands des deutschen Dachdeckerhandwerks, auf dem 4. Fachkongress für Absturzsicherheit 2019. Abstürze hätten nicht nur schlimme Folgen für die Betroffenen, sondern auch für den Betrieb.

Viele Absturzunfälle sind verhaltensbedingt

Dabei könnten Risiken für die Mitarbeiter durch das Einhalten weniger Regeln minimiert werden, etwa das Sichern von Absturzkanten und Dachöffnungen oder das Benutzen von sicheren und freigegebenen Gerüsten. 80 Prozent aller Absturzunfälle seien verhaltensbedingt, daher sei es wichtig, die Mitarbeiter für das Thema Absturzsicherheit zu sensibilisieren. Eine betriebliche Erklärung, mit der sich alle Mitarbeiter im Betrieb auf die Einhaltung lebenswichtiger Verhaltensregeln einigen, sei dabei ein erster Schritt.

Unfallzahlen im Baugewerbe weiterhin hoch

Der 4. Fachkongress für Absturzsicherheit am 10. und 11.12.2019 im Hamburger Grand Elysée Hotel bot ein umfassendes Vortragsprogramm an zwei Tagen. Eine offene Diskussionsrunde zum Thema Absturzsicherheit mit namhaften Herstellern aus der Branche und eine begleitende Fachausstellung ergänzten das Programm. Von der Planung und Ausführung über das Projektmanagement bis hin zur Absturzsicherheit aus Sicht von Bauunternehmern behandelte der Kongress das Thema aus verschiedenen Perspektiven.

Wie aktuell das Thema Absturzsicherheit ist, wurde im Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Marco Einhaus deutlich, Leiter des Sachgebiets Hochbau der BG Bau. Die Unfallzahlen im Baubereich seien weiterhin hoch und nach wie vor gebe es zu viele Absturzunfälle, erklärte Einhaus. Das Zimmererhandwerk sei mit 141,9 Unfällen pro 1.000 Beschäftigten im Jahr 2018 besonders betroffen gewesen, im Bauhauptgewerbe liege die Zahl bei 93,1 Unfällen pro 1.000 Beschäftigten.

Neue Regeln für den Gerüstbau

Um mehr Sicherheit auf Baustellen und im Umgang mit Gerüsten zu schaffen, wurden im vergangenen Jahr die Technischen Regeln für Betriebssicherheit TRBS2121 überarbeitet und verschärft. Die wesentlichen Neuerungen fasste Marco Einhaus in seinem Vortrag zusammen. So sollten bei Gerüsten ab einer Aufstiegshöhe von mehr als fünf Metern Treppen, Aufzüge oder Transportbühnen statt Leitern genutzt werden. Neu ist auch die Forderung, dass bei durchgehender Gerüstflucht auf der obersten Gerüstlage ein einteiliger Seitenschutz oder ein Montagesicherungsgeländer verwendet werden muss, bevor von dort aus weiter montiert werden darf. Einige Gerüstsysteme bieten die Möglichkeit, mit einem vorlaufenden Geländer oder Gitter einen Seitenschutz vorzurüsten, bevor die oberste Gerüstlage überhaupt betreten wird.

Nur noch Stufen, keine Sprossen

Für Leitern gilt nach der neuen TRBS2121: Wird die Leiter als Arbeitsplatz genutzt, muss der Beschäftigte mit beiden Füßen sicher auf einer Stufe oder Plattform stehen. Das Arbeiten von Leitern mit Sprossen ist nicht mehr zulässig, ebenso das Arbeiten von der Leiter ab fünf Metern Arbeitshöhe. Wird die Leiter als Zugang zum Arbeitsplatz genutzt, dürfen damit keine Höhenunterschiede von mehr als fünf Metern überwunden werden.

Die BG Bau fördert die Anschaffung von Stufen-Schiebeleitern, leichten Plattformleitern, Bautreppen und kleinen Hubarbeitsbühnen als Alternativen zu herkömmlichen Leitern. Höhensicherungsgeräte und Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) werden ebenfalls mit Arbeitsschutzprämien bezuschusst, in Verbindung mit erfolgreicher Teilnahme an einer Schulung zum Umgang mit PSAgA.

Höhenrettungsgruppe

Tobias Slabon gab einen Einblick in seinen Arbeitsalltag bei der Höhenrettungsgruppe der Feuerwehr Hannover. Er ist für das Sachgebiet Gebäude- und Sicherheitstechnik der Berufsfeuerwehr Hannover verantwortlich und seit 2009 aktiver Höhenretter. Zu der Einheit der Feuerwehr Hannover zählen 45 aktive Höhenretter.

Wer in die Höhenrettungsgruppe aufgenommen werden will, müsse nicht nur schwindelfrei sein und eine schnelle Auffassungsgabe haben, erklärte Slabon, sondern auch eine 80-stündige Grund- und eine 80-stündige Zusatzausbildung absolvieren. Arbeitsunfälle im Hoch- und Tiefbau, technische Hilfe bei Sturmschäden und das Retten von Personen aus Schächten und von hohen Gebäuden – die Einsatzgebiete der Höhenretter sind vielfältig.

Ausstellung

Eine Ausstellung zeigte verschiedene Systeme zur Absturzsicherheit. Die Adler Montageservice GmbH präsentierte sich als Dienstleister für die Montage von Treppentürmen, Randschutznetzen für Dacharbeiten und die Vermietung von Arbeitsbühnen. Ein innovatives Seitenschutzsystem für Dächer, dass ohne Auflast auskommt und so mehr Platz für Dacharbeiten bietet, zeigte die Sifatec GmbH & Co. KG. Das Montageteam baut die Flachdach-Absturzsicherung, bestehend aus Seitenschutz und je nach Bedarf einem Treppenturm, deutschlandweit auf und nach Abschluss der Dacharbeiten wieder ab.

Ein breites Sortiment an Anschlagpunkten, Seilsicherungssystemen, Flachdachgerüsten und mehr stellte die Firma ST Quadrat Fall Protection vor. Ab- und Durchsturzsicherungen für Aufsetzkränze zeigte die Firma Kingspan Light + Air/Essmann. Die Peri GmbH informierte die Kongressteilnehmer über ihr Gerüstsortiment, zu dem unter anderem das „Peri Up Easy“-Gerüst gehört, bei dem die nächste Gerüstebene sicher von der unteren Gerüstlage aus montiert wird. Das Gerüstsystem lässt sich auch mit dem Modulgerüst „Peri Up Flex“ kombinieren und so um einen Treppenturm ergänzen. Gurte, Sicherungssysteme, Falldämpfer und Seile zur Absturzsicherung gab es von der Firma Bornack zu sehen.

Fachvorträge

Ausgewählte Vorträge können zum Nachlesen und Herunterladen finden Sie online unter: www.kongress-absturzsicherheit.de/4-kongress-fuer-absturzsicherheit_3280328.html.

Bauverlag BV GmbH

www.kongress-absturzsicherheit.de

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