Reicholzried – Stauraum für neue Kanalisation

Schwere GFK-Sonderkonstruktion

Im Zuge der Umstrukturierung der Abwasserentsorgung von Reicholzried (Markt Dietmannsried) war der Bau eines hoch komplexen Staukanal-Bauwerkes erforderlich. Pumpenbauwerk, Staustrecke und Entlastungsbauwerk wurden von Amitech Germany GmbH nach Vorgaben des Ingenieurbüros Klinger, Dietmannsried, konstruiert, gebaut und geliefert. Mit 37 Tonnen Gesamtgewicht war das Pumpenbauwerk die bislang schwerste GFK-Sonderkonstruktion, die das Amitech-Werk, im sächsischen Mochau, seit seiner Gründung verlassen hat.

Die Tage der Kläranlage des Örtchens Reicholzried (Markt Dietmannsried, Landkreis Oberallgäu) sind gezählt. Nach 25 Jahren Betriebsdauer läuft nicht nur der wasserrechtliche Genehmigungsbescheid der Anlage aus; sie ist überdies überlastet und technisch veraltet. Eine Sanierung, die das Ing.-Büro Klinger im Zuge einer Machbarkeitsstudie prüfte, wäre mit 745 000 Euro so teuer gewesen wie ein Neubau - von jährlichen Betriebskosten von 92 000 Euro ganz abgesehen. So entscheiden sich die Verantwortlichen der Gemeinde letztlich für eine andere Alternativoption, nämlich den Anschluss des Reicholzrieder Netzes an das Kanalnetz der Kerngemeinde Dietmannsried über eine Pumpendruckleitung von rund 3200 m Länge. Von Dietmannsried geht „es“ dann künftig weiter ins Zentralklärwerk Kempten.

Zufluss wird reguliert

Diese Konzeption hat allerdings eine Voraussetzung. Das vorhandene Netz in Dietmannsried kann nur mit begrenzten Mengen an Abwasser beliefert werden, ohne es zu überlasten. Es ist also eine exakte Regulierung des Zuflusses aus Reicholzried notwendig. Dieses war 2010 Anlass und Rahmenbedingung für eine der aufwändigsten und größten Sonderkonstruktionen, die je das Werk des GFK-Rohr-Herstellers Amitech Germany verlassen haben. Um den Mischwasserabfluss nach Dietmannsried auf ca. 12 Liter pro Sekunde zu begrenzen, wurde am Ortsausgang Reicholzried aus GFK-Rohren und –Sonderbauteilen ein mächtiges Staukanalbauwerk mit oben liegender Entlastung gebaut. Dieses wurde mit Amitech-Unterstützung konstruiert und in Mochau aus Elementen des GFK-Systems Flowtite gebaut.

25 t schweres Bauteil

Das Staukanalbauwerk setzt sich aus drei Elementen zusammen. Vier aneinander gekoppelte GFK-Rohre DN 2400 bilden die eigentliche Speicherkammer mit ca. 145 Kubikmeter Volumen. Sie ist mit 1 % Gefälle verlegt und durch die glatten Innenseiten der Rohre selbstreinigend. Die Kammer kann durch einen integrierten Dom DN 1000 beiderseits zu Wartungszwecken betreten werden. Der Kammer in Fließrichtung vorgelagert ist als Entlastungsbauwerk ein 6 m langes GFK-Rohr DN 2800 mit längs installierter Überlaufschwelle. Diese wird aktiv, wenn sich im Starkregenfalle im gesamten System das Wasser bis in Höhe der Schwelle zurückgestaut hat. Dann werden über eine abgehende Leitung DN 700 bis zu 1950 l mechanisch vorbehandeltes Mischwasser pro Sekunde abgeführt. Um diese mechanische Reinigungswirkung zu optimieren, wurde im Reicholzrieder Überlaufbauwerk die Option für den nachträglichen Einbau eines sogenannten GiWa-Grobstoffrechens konstruktiv vorbereitet. Hierbei handelt es sich um einen Stahl-/Kunststoff-Rechen, der auf der Überfall-Wand zwischen Bauwerkszulauf und Entlastungskanal installiert wird. Ein verschleißarmes, integriertes Reinigungssystem sorgt dafür, dass sich der sehr effektive Rechen auch bei starker Belastung nicht zusetzen kann. Zudem funktioniert der Rechen rein mechanisch ohne Fremdenergieeintrag. Auch das Entlastungbauwerk ist von oben her durch zwei Domeinstiege DN 1000 zugänglich. Mit 25 t Gesamtgewicht ist das Entlastungbauwerk Reicholzried das schwerste homogene Bauteil, das je das Werk in Mochau verlassen hat.

Pumpwerk aus drei Einzelteilen

Das 7,22 m lange Pumpwerk als Abschluss des Staukanals ist zwar mit 37 t noch deutlich schwerer, wurde jedoch in drei Einzelteilen angeliefert und in situ zusammengebaut. Es besteht aus GFK-Rohre DN 3000, zwei Domen und einem Zugangsschacht DN 1500 mit integrierter Wendeltreppe. Es verfügt über eine Vorlagekammer mit profiliertem Sohlabsturz und ist so konstruiert, dass die Pumpen trocken aufgestellt werden können. Das Staukanalbauwerk Reicholzried ist zwar das größte, aber bei weitem nicht das einzige GFK-Bauwerk seiner Art, das in den vergangenen 24 Monaten in Deutschland installiert wurde. In seinen Abmessungen durchaus dem Reicholzrieder Bauwerk vergleichbar ist etwa ein Staukanal DN 2800/3000, der zeitgleich in Lichtenfels (Bayern) gebaut wurde und an eine GFK-Leitung DN 800 anschließt. Bei Amitech hat man in dieser Richtung sowohl konstruktiv als auch fertigungstechnisch eine erhebliche Erfahrung gesammelt, die nun bei der Konstruktion entsprechender Anlagen den Auftraggebern in vollem Umfang zugute kommt. n

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