Raiffeisenmarkt in Merdingen hält Grundwasser sauber

Dezentrale Niederschlagswasser-Behandlung und Versickerung ersetzt aufwändigen Anschluss an das Kanalnetz

Mit einer Anlage zur dezentralen Behandlung von Regenwasser wurde das Gelände eines Raiffeisenmarktes in Merdingen nahe Freiburg im Breisgau ausgestattet. Damit erfüllt der Markt die Forderung des neuen Wasserhaushaltsgesetzes, Regenwasser und Schmutzwasser nicht mehr zu mischen, sondern den Niederschlag vor Ort zu reinigen und wieder dem Grundwasser zuzuführen. Insgesamt zehn Filtersysteme des Typs Hydrosystem 1000 heavy traffic und zwei Systeme des Typs Hydrosystem 400 heavy traffic des Spezialisten für Regenwasserbewirtschaftung 3P Technik kamen dabei zum Einsatz.

Die Systeme nehmen das Wasser von den stark frequentierten Verkehrsflächen rund um den Raiffeisenmarkt auf, filtern es und leiten das nahezu auf Trinkwasserqualität gereinigte Wasser zum Abfluss in Richtung Grundwasser in mehrere Sickerschächte ein.

Belastung durch Fahrzeuge und Güterumschlag

Eine neue Entsorgungslösung für das Niederschlagswasser rund um den Markt war notwendig geworden aufgrund der Verschmutzungen durch Liefer- und Kundenfahrzeuge sowie Staplerverkehr. Durch sie war eine Einleitung ins Grundwasser ohne vorherige Reinigung nicht mehr tolerierbar. Zu den Verschmutzungen durch Kraftfahrzeuge und Stapler kommen Reste aus den umgeschlagenen Gütern wie Mais, Dünge-, Futter- und Pflanzenschutzmitteln. Im Gespräch war zunächst eine Anbindung an das örtliche Abwassernetzt und damit eine Reinigung über die Kläranlage. Da der nächste mögliche Anschlusspunkt an die Kanalisation mehrere hundert Meter vom Markt entfernt liegt, wurde diese Lösung als zu aufwändig und teuer verworfen. Hinzu kam, dass sie entgegen der Forderung im neuen Wasserhaushaltsgesetz zur Mischung von Niederschlags- und Schmutzwasser in der Kanalisation geführt hätte. In Abstimmung mit den zuständigen Wasserbehörden suchte man daher nach einer Lösung, die eine weitere Nutzung der bereits vorhandenen Sickerschächte ermöglichen sollte. Voraussetzung dafür war eine vorherige Behandlung des Niederschlagswassers, mit der sich die Einleitung gefährdender Substanzen wirkungsvoll und zuverlässig unterbinden lässt. Die Wahl fiel auf das Hydrosystem von 3P Technik, das mit verschiedenen Filtern auf Flächen mit unterschiedlichen Belastungen abgestimmt werden kann. Zum Einsatz kamen die 3P Filtertypen heavy traffic, welche die bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) in Berlin erhalten haben. Die Filtersysteme sind in der Lage, sowohl anorganische Stoffe wie Schwermetalle und Nährstoffe als auch organische Komponenten wie polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Mineralöle aus dem Regenabfluss zu entfernen. Das geprüfte System bietet damit den höchstmöglichen und dauerhaft zuverlässigen Schutz für das Grundwasser. Das Filtersystem ist so ausgelegt, dass im Neuzustand etwa 120 l/s Regenabfluss von den Flächen vollständig behandelt werden kann. Durchflussmessungen im Rahmen der Wartung zeigen den Zustand der Filter, die vor Ort rückgespült werden, sobald der Durchfluss unter einen kritischen Wert sinkt. Mehr als vier Millionen Liter reinigt die Anlage so pro Jahr und gibt sie sicher und sauber in den Untergrund ab.

Einsatz der Filter im vorhandenen Leitungssystem

Der Einbau der Filterelemente erfolgte in Betonschächte, welche die Müller Betonwerke aus Achern passgenau maßfertigten und vor Ort einbauten. Da es sich um eine Nachrüstung handelte, wurden Schächte und Filtersysteme in vorhandene Grundleitungen eingesetzt. Beim Einbau war auf eine besonders hohe Abdichtung der Zulaufleitungen zu achten, um zu verhindern, dass sich das Wasser durch die Einbauvariante mit den alten Grundleitungen bei starkem Regen stauen kann.

Zuverlässige Entfernung von Schadstoffen

Die Reinigung des Niederschlagswassers in den Hydrosystemen erfolgt in zwei Schritten. Zunächst sedimentieren Feststoffpartikel in einem Schlammsammelraum im unteren Bereich des Filtersystems. Danach gelangt das zu reinigende Wasser im Aufstromverfahren durch die Filterelemente, wo durch Filtration, Adsorption und chemische Fällung Feststoffe, Nährstoffe, Schwermetalle und Kohlenwasserstoffe weitestgehend zurückgehalten werden. Vor dem Wasserablauf in die Sickerschächte befindet sich als Sicherheitsreserve, etwa für Starkregenereignisse, noch eine Leichtstoffsperre. Das gereinigte Wasser erreicht nahezu Trinkwasserqualität.

Kürzere Wartungszyklen wirken starkem Schmutzeintrag entgegen

Ein Wartungsvertrag mit der Firma Börder GmbH gewährleistet darüber hinaus die regelmäßige Kontrolle und die Reinigung der Systeme, ohne dass sich der Betreiber selbst darum kümmern muss. Das Unternehmen ermittelt im Rahmen der jährlichen Wartungen den Zustand der Filter, die nach Bedarf rückgespült werden. Der Austausch der Filter erfolgt in Zeiträumen von 3 Jahren, wenn die Aufnahmekapazitäten für die Schadstoffe erschöpft sind. Außerdem wurden zusätzliche Vorreinigungsmaßnahmen eingeplant, da auf dem Gelände insbesondere durch landwirtschaftliche Fahrzeuge mit starken Verschmutzungen zu rechnen ist. So werden die Entwässerungsrinnen und Straßenabläufe vorsorglich regelmäßig gereinigt. Zudem werden die Flächen regelmäßig gekehrt, um unnötigen Eintrag von Schlamm und Erdreich in das Entwässerungssystem zu vermeiden. n

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