Krisenerprobt und zuversichtlich

Mein Ziegelhaus feiert sein 15-jähriges Bestehen

Der Dachverband mittelständischer Ziegelwerke blickt auf eine erfolgreiche Zeit zurück. Doch die „Feierstunde“ fällt in eine Krisenzeit. Wie gerüstet sind die Ziegelwerke für die Zukunft? Was wurde erreicht, welche Innovationen sind entstanden?

Es mag derzeit kaum „Feierlaune“ aufkommen. Doch ein Jubiläum ist auch immer Anlass, die vergangenen Jahre Revue passieren zu lassen und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Schon vor 15 Jahren waren die Ziegler mit extremen Schwankungen am Markt konfrontiert. Nach der Wiedervereinigung gab es große Überkapazitäten am Markt. Stefan Jungk, geschäftsführender Gesellschafter der JUWÖ Poroton, war Gründungsmitglied von Mein Ziegelhaus und erinnert sich: „Die Jahre 2000 bis 2010 waren schwankend mit Krisenhöhenpunkten in den Jahren 2003/2004 sowie 2009/2010. Einige Mitglieder des Poroton-Verbandes meldeten Insolvenz an; einige wurden aufgekauft. Die Baugenehmigungen und Baufertigstellungen gingen stark zurück und die Ziegelindustrie wurde davon nicht verschont.“

Vier der fünf mittelständischen Ziegelwerke, die sich 2005 zum Verband „Mein Ziegelhaus“ zusammenschlossen, gehörten damals dem Verband Deutsche Poroton an. Den gab es schon seit 1968 und der Vater von Stefan Jungk, Ernst K. Jungk, leitete diesen 36 Jahre lang. Innerhalb der Deutschen Poroton formierten sich um die 2000er Jahre Untergruppierungen; in einer davon tauschten sich vor allem die mittelständischen Ziegelwerke untereinander aus. „Die Poroton MM – MM steht für Mittelstandsmarketing – war quasi die Urkeimzelle von Mein Ziegelhaus“, erzählt Stefan Jungk, der seit 2017 als Präsident dem Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie vorsteht. Neben der JUWÖ Poroton-Werke Ernst Jungk & Sohn GmbH gehörten zu den Gründungsmitgliedern die Adolf Zeller GmbH & Co. Poroton-Ziegelwerke KG, die Georg Rimmele KG, die Ziegelwerk Klosterbeuren Ludwig Leinsing GmbH & Co KG und das ehemalig Unipor-Mitglied Ziegelwerk Bellenberg Wiest GmbH & Co. KG.

 

Gleiche Denke, gleicher Führungsstil

Was verband die ursprünglichen Mitglieder? „Als mittelständische Ziegler hatten wir ungefähr die gleiche Größe und wir alle waren uns sehr ähnlich, was die Denke und den Führungsstil angeht“, betont Jungk. Von Vorteil erwies sich, dass die Ziegelwerke in ganz Deutschland verteilt waren, so dass man sich vertrieblich nicht „ins Gehege kam“. Neu hinzu kamen 2011 die August Lücking GmbH & Co. KG in Paderborn sowie das Ziegelwerk Stengel in Donauwörth und 2017 die Erbersdobler Ziegel GmbH & Co. KG in Fürstenzell. Im Laufe der letzten Jahre orientierten sich zwei Gesellschafter neu. Ziegelwerk Bellenberg und Ziegelwerk Klosterbeuren sind weiterhin Lizenznehmer von Mein Ziegelhaus und fertigen ihre Produkte nach den Mein-Ziegelhaus-Qualitätskriterien.

Erklärtes Ziel war vor allem die gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Des Weiteren nutzte man Synergien beim Einkauf von Betriebsmitteln, teilweise im Vertrieb und vor allem bei der einheitlichen Außendarstellung in Pressearbeit und bei Messeauftritten. Ermöglicht wurde diese Form der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Förderung durch die behördliche Genehmigung als Rationalisierungskartell. Auch für die Verbraucher ergeben sich Vorteile, wenn eine Versorgung durch regional hergestellte Baustoffe gesichert ist.

 

Kontinuität trotz Geschäftsführerwechsel

2019 war der Zeitpunkt für eine Staffelstabübergabe gekommen. Bauingenieur Hans R. Peters, der von Beginn an die Rolle des technischen Geschäftsführers innehatte, wurde in den Ruhestand verabschiedet. Von Juli 2018 bis Juli 2019 begleitete er den neuen Geschäftsführer Tristan Klein, bis dieser schließlich die alleinige Geschäftsführung übernahm. Peters hat die Arbeit von Mein Ziegelhaus maßgeblich geprägt.

Fokus der Zusammenarbeit im Verband bleibt die Weitentwicklung der bestehenden Produkte. Diplom-Ingenieur Tristan Klein ist mit seiner Erfahrung im wissenschaftlichen Bereich am WesterWaldCampus der Hochschule Koblenz und als ehemaliger Geschäftsführer des Ziegelwerkes Deisendorf der ideale Impulsgeber für die zukünftige Entwicklungsarbeit. Frau Dr. Petra Augustin steht den Werken zu den Themen Umwelt und Bauchemie zur Verfügung. Gemeinsam mit den Bauberatern der Werke werden die aktuellen Belange aus Anwendungstechnik und Bauphysik in die Praxis umgesetzt sowie eine stets notwendige Pressearbeit initiiert.

Auch in den Ziegelwerken selbst steht die nachfolgende Generation in den Startlöchern beziehungsweise mischt schon kräftig mit. Stefan Jungk hat insoweit den Anfang gemacht, als er die Geschäftsführung bereits vor 15 Jahren übernommen hat. Nun ziehen die anderen Werke nach.

 

Der Mittelstand: besser gewappnet in der Krise

Die große Mehrheit der Bauunternehmen in Deutschland sind Mittelständler – so wie die Hersteller von Hintermauerziegeln, die sich unter dem Dach von Mein Ziegelhaus befinden. Die Flexibilität im Handeln ist einer der großen Vorteile, die sich in einer Krisenzeit auszahlt. Doch auch der Inhaber von JUWÖ Poroton sieht die Gefahren, sollte sich der „Ausnahmezustand“ länger hinziehen. „Wenn sämtliche Liquiditätsreserven aufgebraucht sind, weil ein halbes Jahr keine Ziegel verkauft werden konnten, dann ist der Mittelstand systembedingt eher schlechter aufgestellt – weil wir keinen Zugang zum Kapitalmarkt haben. Momentan sind JUWÖ und Zeller und die anderen Ziegelwerke so gut aufgestellt, dass ich sicher bin, dass wir diese Krise bewältigen werden.“

Stefan Jungk bleibt angesichts der Situation optimistisch und versteht sich in der Rolle des Mutmachers. Den Grund sieht er in der Innovationsfähigkeit, die in einem mittelständischen Unternehmen ausgeprägter sei. „Der deutsche Ziegel-Mittelstand ist seit jeher innovativ und führend bei der Entwicklung neuer Produkte und Anwendungen“, konstatiert der JUWÖ-Chef selbstbewusst. Die Gründe dafür lägen in der föderalen Struktur und einem Umfeld, in dem „Denken und Fehler machen ausdrücklich erlaubt ist.“ Die klugen Köpfe haben in einer mittelstandsgeprägten Umgebung immer Chancen gehört zu werden, ist Jungk überzeugt.

 

Die Innovationen

Mein Ziegelhaus hat eine Reihe verschiedener Ziegel auf den Markt gebracht, die es so vorher nicht gab. Die herausragende Erfindung war der mit Mineralwolle gefüllte Mauerziegel. Die erste Verfüllanlage, die 2008 errichtet wurde, um den Ziegel mit Mineralwolle zu befüllen, steht bei Zeller Poroton in Alzenau. Das Ziegelwerk gehört seit 2017 zur JUWÖ-Gruppe und Stefan Jungk steht dem Werk als Geschäftsführer vor. Ihm zufolge werden derzeit am Standort zweieinhalb Millionen Euro investiert, um eine neue, mit modernster Technik ausgestattete Verfüllanlage zu errichten. Aufgrund der Corona-Krise kommt es hier derzeit allerdings zu Verzögerungen. Als Weiterentwicklung kam 2013 der mit Mineralwolle gefüllte MZ-G für den Geschosswohnungsbau auf den Markt. Dieser wurde mit einem Doppelsteg versehen – „eine Art doppelte Schutzhaut“ –, der die Statik verbessert.

Neben den mit Mineralwolle gefüllten Ziegeln wurden eine Reihe hochwärmedämmender Vollkeramikziegel entwickelt, die ohne Dämmstoffe auskommen. Der „Vollkeramikziegel der S-Klasse“ mit einem Lambda-Wert von 0,09 bis 0,075 W/(m K) sei ideal für den Reihenhausbau. Ohne Dämmstoff ist er einfacher recycelbar sowie ökologischer und günstiger in der Herstellung. Durch die filigraneren Stege entstanden sehr viel kleinere Hohlräume, die für einen deutlich besseren Wärmeschutz sorgen. JUWÖ-Chef Jungk: „Die Rohstoffzusammensetzung wurde optimiert, gleichzeitig wurde die Lochgeometrie so gestaltet, dass der Wärmestrom von innen nach außen deutlich länger braucht.“

Neben der „Luxusvariante“ des MZ-Ziegels mit Dämmstofffüllung gibt es noch preiswertere Varianten für den Bau von Mehrfamilienhäusern. Der TS11-Ziegel erfüllt ebenfalls die von der Energieeinsparverordnung (EnEV) geforderten Werte für den Wärmeschutz. Darüber hinaus wurde der TS-Quadrat speziell für Innenwände, zusatzgedämmte Außenwände oder zweischalige Konstruktionen entwickelt. Er punktet mit einem hohen Druckfestigkeitswert und kann selbst in erdbebengefährdeten Regionen eingesetzt werden. Schallschutz- und Ergänzungsziegel sowie weitere keramische Bauteile stehen für Bauunternehmer und Bauherren ebenfalls zur Verfügung.

Generell werden die Ideen für neue Ziegelprodukte gemeinsam entwickelt. Nach Erteilung der technischen Zulassung stellen alle Mitgliedsunternehmen die Ziegel nach den gleichen Qualitätskriterien her. Nicht nur die Geschäftsführer, sondern auch die Techniker und Produktentwickler tauschen sich regelmäßig aus und gemeinsam wird die Marschrichtung festgelegt.

Mein Ziegelhaus GmbH & Co. KG

www.meinziegelhaus.de

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