„Jot für Kölle“

Sanierung von 1200 Hausanschlüssen in Köln

Fast die Hälfte des Kölner Stadtgebietes liegt in einer Wasserschutzzone. Nach der neuen Rechtslage des § 61a LWG müssen bei allen in diesen Bereichen liegenden Immobilien die Abwasseranlagen noch vor Ende des Jahres 2015 auf Dichtheit geprüft und gegebenenfalls saniert werden: Ein fast uferlos scheinender Handlungsbedarf also, der unter Leitung der Stadtentwässerungsbetriebe Köln AöR (STEB) mit Hochdruck abgearbeitet wird.

Symptomatisch für die Größenordnung der Aufgabenstellung ist ein Auftrag, den die Abwasser-Service Volkner GmbH (Siegburg) gemeinsam mit drei anderen Unternehmen derzeit im Auftrag einer großen Kölner Wohnungsbaugesellschaft ausführt: die Hausanschlusskanäle und Grundleitungen von ca. 1200 Immobilien werden überwiegend grabenlos saniert. Die zentrale Rolle bei der Sanierung spielt die Schlauchlining-Technologie.

Fristenzonen für reibungslose Planung

Unter dem Motto „Jot für Kölle“ hat die Stadtentwässerung gemäß der neuen Rechtslage des Landes-Wassergesetzes eine Kampagne ins Leben gerufen, mit der die Plicht zur flächendeckenden Dichtheitsprüfung bis Ende 2015 erfüllt werden soll. Dazu wurde das gesamte Kölner Stadtgebiet in fünf Fristenzonen eingeteilt. Derzeit wird die erste Fristzone abgearbeitet, die im Wesentlichen im Kölner Süden liegt. Hinzu kommen eine größere Fläche im Kölner Norden, westlich von Chorweiler  und einige überschaubare rechtsrheinische Bereiche. Die Vorgehensweise in diesen Gebieten sieht so aus, dass die betroffenen Grundstückseigentümer, flankiert von intensiver Öffentlichkeitsarbeit der STEB, eine Aufforderung zur Dichtheitsprüfung mit entsprechendem Terminhinweis bekommen.

Die Dichtheitsprüfung wird im Regelfalle nach Beauftragung durch den Grundstückseigentümer durch ein Team der STEB selbst per Kamera-Untersuchung des Systems durchgeführt. Dies geschieht im Sinne einer Kostenminimierung möglichst im Zusammenhang mit der Inspektion des öffentlichen Kanalsystems. Prinzipiell können aber auch andere, in der offenen Sachkundigenliste der STEB aufgeführte Fachbetriebe beauftragt werden. Sofern der Befund der Dichtheitsprüfung „schadhaft“ lautet, bieten die STEB den Grundstückseigentümern eine Sanierungsbetreuung an. Diese Pauschale beinhaltet neben der Sichtung und Auswertung der Inspektionsunterlagen die Erarbeitung eines Sanierungsvorschlages, die Einbeziehung des Grundstücks in eine kollektive Sanierungsausschreibung, die Bauüberwachung während der Sanierungsdurchführung sowie schließlich die Überprüfung der Unterlagen, die den Sanierungserfolg dokumentieren.

Neben der Vielzahl individueller Liegenschaftsbesitzer, die in Köln von der Regelung betroffen sind, gibt es natürlich auch in Köln kommerzielle Eigentümer von Immobilien, darunter die größte Kölner Wohnungsbaugesellschaft mit einem Bestand von rund 42.000 Wohnungen. Auch dieser Bestand muss entsprechend § 61a LWG fristgemäß geprüft und saniert werden, wobei der Prüftermin für das einzelne Objekt von der Lage der jeweiligen Liegenschaft in der Fristen-Zonierung der STEB abhängt. Bei der Durchführung von Prüfung und Sanierung arbeitet das Unternehmen eng mit den STEB Köln zusammen. Eine Zusammenführung unterschiedlicher Eigentümer zu einer gemeinschaftlichen Vorgehensweise erübrigt sich in diesem Falle natürlich, wie der erste Programmabschnitt zeigt, der seit Oktober 2008 realisiert wird: Hier geht es um ein Volumen von 1200 Liegenschaften, die bereits von den STEB Köln inspiziert und je nach Befundlage mit Sanierungsvorschlägen versehen wurden.

Hierbei schälte sich folgende Vorgehensweise heraus: Defekte Leitungen unter den Kellersohlen werden, wo immer möglich, aufgegeben und durch ein neues, unter der Kellerdecke abgehängtes Leitungssystem ersetzt. Die Anschlusskanäle, für die in Köln der Grundstückseigentümer bis zum  Hauptkanal verantwortlich ist, werden grabenlos saniert, wo dies nicht durch die Schäden technisch ausgeschlossen ist. Eine Schlüsselrolle dabei spielt das Schlauchlining-Verfahren, bei dem die Leitungen in voller Länge mit einem Kunstharz-getränkten Gewebeschlauch ausgekleidet werden, der mit hohem Innendruck an die Rohrwand gepresst und dann durch Erhitzen zu einer selbsttragenden und wasserdichten Innenauskleidung, einem Liner, ausgehärtet wird. Schlauchlining ist nicht nur eine extrem schnelle, sondern auch meistens die wirtschaftlichste Lösung. Vor allem, wenn man  bedenkt, welche Folgen es in einer Großstadt hätte, wenn alle paar Meter Gehwege und Straße bis zum öffentlichen Kanal quer aufgerissen w erden müssten. Die Abwasser-Service Volkner GmbH aus Siegburg ist eines der erfahrensten Unternehmen im Rheinland, was diese Technologie angeht: Der erste von etlichen Tausend nachfolgenden Linern wurde bei Volkner bereits Anfang der 90er Jahre installiert. So versteht es sich von selbst, dass Volkner gewissermaßen auch ein „Unternehmen der ersten Stunde“ auf der STEB-Sachkundigenliste in puncto Sanierung ist und immer wieder zur Angebotsabgabe im Rahmen von Ausschreibungen aufgefordert wird. Der spektakuläre 1200-Einheiten –Auftrag der Wohnungsbaugesellschaft ist für Volkner trotz s einer langen Referenzliste etwa s besonderes und beansprucht zeitweilig gleich mehrere der insgesamt 5 Liner-Kolonnen zugleich, eine davon steht der Wohnungsbaugesellschaft vertragsgemäß alleine zur Verfügung.

Bauausführung

Installiert werden im Drucktrommel-Verfahren Synthesefilz-Liner der Vereinigten Filzfabriken Giengen (VFG), die vom Auftraggeber im Rahmen der Ausschreibung und nach Abstimmung mit den STEB ausdrücklich vorgegeben wurden. Die Volkner-Experten, die in den letzten Jahren schon alle Schlauchtypen eingebaut haben, konnten auf dieser Grundlage letztlich ein passendes Gebot abgeben. Nur in Einzelfällen, vor allem unter der Grundplatte in verzweigten Systemen, werden statt der Schlauchliner Glasfaser-basierte Kurz- und Langliner eingebaut. Das ist mit schlechten Erfahrungen der Wohnungsbaugesellschaft mit diesen partiellen Installationen zurück zu führen. In der Frühphase des „Sanierungsbooms“ auf den Grundstücken war man an einen Anbieter geraten, der mit dieser Technik und auf der Basis von Dumping-Preisen schlicht „Schindluder getrieben“ hatte – und das, wie nicht anders zu erwarten, mit sehr zweifelhaften Ergebnis: Bitteres Lehrgeld für alle Beteiligten. Nicht zuletzt solche Erfahrungen haben dazu geführt, dass einer der eisernen Grundsätze bei den STEB heute lautet, dass man Bietern auf jeden Fall auskömmliche Preise zugesteht, auch wenn bei großen Auftragsvolumina natürlich die Stückpreise tendenziell sinken. In Köln hat man längst begriffen, dass gute Leistung  nur für faire Entlohnung zu erwarten ist, und handelt konsequent danach: Jot für Kölle, seine Umwelt und seine Grundstückseigentümer!n

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