KAVERNEN

Erdgasspeicher Peckensen

Mit einem überzeugenden Nebenangebot in Bezug auf die logistische Abwicklung des Bauvorhabens hat die Johann Bunte Bauunternehmung GmbH & Co. KG im vergangenen Jahr von der Storengy Deutschland GmbH den Auftrag für die Verlegung einer 13 km langen Hochdruckleitung für die Erweiterung der Erdgaskavernenspeicheranlage Peckensen erhalten.

Entgegen der ursprünglichen Ausschreibung, nach der im Vorfeld der Baumaßnahme drei Lagerplätze für die Zwischenlagerung der benötigten Rohre hergestellt werden sollten, erarbeite Bunte gemeinsam mit dem Rohrhersteller Salzgitter Mannesmann Großrohr GmbH und dem Logistikunternehmen Finke Spezialtransporte ein Konzept, das auf einer längeren Lagerung der Rohre im Rohrwerk und einer späteren Just-in-time-Lieferung zum Einbauort basierte. Neben dem Schutz der Umwelt durch die Vermeidung einer temporären Versiegelung der Lagerflächen und durch eine Reduzierung des Baustellenverkehrs konnten insbesondere die Kosten für die Herstellung der Lagerplätze und deren Sicherung sowie für die Einlagerung der Rohre und die Zwischentransporte eingespart werden. Auch in anderer Hinsicht haben die Baupartner den Auftraggeber und das für die Planung und Bauleitung verantwortliche Ingenieurbüro Nickel GmbH überzeugt: Aufgrund der zielorientierten und partnerschaftlichen Zusammenarbeit aller am Bau beteiligten Parteien konnte die vorgegebene fünfmonatige Bauphase mit der mechanischen Fertigstellung der Gashochdruckleitung im November 2012 nicht nur eingehalten, sondern mit lediglich 16 Wochen Bauzeit sogar deutlich unterschritten werden.

Erdgasspeicherung – Eine Säule der Energiewende

Im Zuge der Energiewende gewinnt die Erdgasspeicherung in Deutschland aufgrund steigender Importabhängigkeiten und einem dynamischen Wettbewerbsumfeld immer mehr an Bedeutung. Eine Schlüsselrolle kommt hierbei den unterirdischen Erdgaskavernenspeichern zu. Die Storengy Deutschland GmbH zählt zu den Unternehmen, die solche unterirdischen Anlagen in Deutschland entwickelt, baut und vermarktet. Unter anderem besitzt und betreibt sie den Erdgasspeicher am Standort Peckensen im Altmarkkreis Salzwedel, Gemeinde Wallstawe, ca. 20 km südwestlich der Hansestadt Salzwedel im Bundesland Sachsen­ Anhalt. Die seit 2002 genutzten Kavernen haben jeweils einen nutzbaren Hohlraum zwischen500.000 und 700.000 m³ und befinden sich in einer Tiefe von etwa 1.300 bis 1.450 Metern. Zur Erweiterung der Speicherkapazität wurde im Jahr 2012 unter anderem der Bau einer neuen 13 km langen Gashochdruckleitung in einer Nennweite von DN 800 und einem Nenndruck von PN 100 erforderlich.

Besondere Erfordernisse

„Die Errichtung der neuen Gashochdruckleitung wurde unter Einhaltung höchster Anforderungen durchgeführt“, erinnert sich Dipl.-Ing. Heino Boekhoff, Niederlassungsleiter Bunte Rohrleitungs- und Anlagenbau. Schon vor dem Grabenaushub fand eine archäologische Voruntersuchung der Trasse statt. Zudem mussten verschiedene bautechnische Besonderheiten berücksichtigt werden. So folgt der Leitungsverlauf auf der gesamten Länge einer bereits bestehenden Verbindungsleitung DN 600 und wurde in einigen Trassenabschnitten in einen Korridor zwischen verschiedene Fremdleitungen gebaut. „Zur präzisen Einhaltung der definierten Achsabstände wurden deshalb ausschließlich Werksbogen eingesetzt“, so Boekhoff.
Darüber hinaus kreuzt die Leitung in ihrem Verlauf acht Straßen, sieben Wege, zwei Flüsse, 75 Kabel und 113 Rohrleitungen in Nennweiten von DN 100 bis DN 1200. Die Anzahl der eingebauten Werksbogen betrug insgesamt 157 Stück. „Aus diesen Gegebenheiten folgte ein ungewöhnlich hoher Anteil an Verbindungsschweißnähten“, so Boekhoff weiter. Der Anteil der Verbindungsnähte – bezogen auf die Gesamtmenge aller Nähte – betrug mehr als 40 Prozent. Die Schweißnähte wurden überwiegend als E-Hand-Schweißung mit Cellulose-umhüllten Fallnahtelektroden ausgeführt. Daneben wurde auch eine Kombination aus WIG-Wurzel und Fülldraht angewendet. Die Schweißqualität kann nach Angaben des Auftragsgebers als hervorragend bezeichnet werden. Bezogen auf die Gesamtzahl der Schweißnähte betrug die Reparaturquote nur 0,3 Prozent.
Auch die Tatsache, dass über die gesamte Leitungslänge stark variierende Bodenverhältnisse angetroffen wurden, machte weitere besondere Baumaßnahmen erforderlich. Feiner Sand und fester, bindiger Boden wechselten zum Teil in kurzen Abständen unmittelbar aufeinander. Aufgrund des hohen Aufkommens an scharfkantigen Steinen musste die Rohrleitung zusätzlich zu der werksseitigen PE-Umhüllung auf der Baustelle auf ganzer Länge komplett mit Felsschutzmatten umhüllt werden. Darüber hinaus wurde der für die Verfüllung verwendete Aushub durch einen Pipelinepadder aufbereitet.

Arbeitssicherheit und Umweltschutz im Fokus

Selbstverständlich standen auch Arbeitssicherheitsaspekte und der Schutz der Umwelt bei der Baumaßnahme im Fokus. Deshalb wurden alle Arbeitsgänge vor Aufnahme der Tätigkeiten auf Gefahren untersucht, ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan erstellt und Gefährdungsanalysen erarbeitet. Vor der erstmaligen Tätigkeit auf der Baustelle erhielt jeder Beschäftigte eine Einweisung in die Besonderheiten der Baumaßnahme. Aufgrund der großen Anzahl kreuzender Fremdleitungen wurden zusätzlich alle betroffenen Tiefbaukolonnen täglich detailliert in den Verlauf der vorhandenen Fremdleitungen im jeweiligen Trassenabschnitt eingewiesen. Darüber hinaus fanden regelmäßige Sicherheitsunterweisungen statt. Zusammengefasst führten diese Maßnahmen dazu, dass bei den wöchentlich durchgeführten Sicherheitsbegehungen keine kritischen Vorkommnisse festgestellt wurden.

Qualifizierter Partner

Beim Ausbau der Energienetze in Deutschland ist die Johann Bunte Bauunternehmung mit dem Geschäftsbereich Rohrleitungs- und Anlagenbau seit vielen Jahren beteiligt. Das Unternehmen, das seit 2008 Mitglied im Rohrleitungsbauverband (rbv) ist, hat durch die im gleichen Jahr erlangte DVGW-Zertifizierung sowie durch umfangreiche Investitionen die Grundlagen geschaffen, um sich beim Ausbau der Gasleitungsnetze als leistungsfähiger Partner etablieren zu können. So auch beim Bau der Gashochdruckleitung zwischen der Obertageanlage in Peckensen und dem Netzkopplungspunkt Steinitz der ONTRAS-VNG Gastransport GmbH. Der Leistungsumfang, der aus der kompletten Errichtung der Gashochdruckleitung einschließlich einer KKS-Anlage und einer Kabelschutzrohranlage bestand, konnte in Bezug auf wirtschaftliche Aspekte und zeitliche Rahmenbedingungen gemeinsam mit den Baupartner zur vollsten Zufriedenheit des Auftraggebers abgeschlossen werden.

rbv Rohrleitungsbauverband

www.rbv-koeln.de

Technische Daten der Gashochdruckleitung:
Transportmedium: Erdgas
Länge der Leitung: 13.048 m
Rohrdimension: DN 800 x 16 mm
Materialgüte: L 485 MB
Rohrbögen: Bauart 20
Bogendimension: DN 800 x 17,5 mm
Material: L 485 MB
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