Ein geregelter Zulauf

Porr stellt neues Wehr im Fluss fertig

Beauftragt von der Verbund Innkraftwerke GmbH, arbeitet die Porr im Rahmen des Gesamtprojekts Neubau des Kraftwerks in Töging am Inn an mehreren Baulosen. Eines der Baulose umfasst die Erstellung der neuen Wehranlage Jettenbach.

Die neue Wehranlage im bayrischen Jettenbach umfasst mit einer Breite von 160 Metern ein Restwasserkraftwerk, vier Wehrfelder und einen Fischabstieg inklusive Wasserkraftschnecke. 40.000 Kubikmeter Beton und rund 4.000 Tonnen Stahl wurden für das neue Wehr verbaut. Um eine sichere Gründung der Wehranlage im Wasser zu gewährleisten, wurde der Grundwasserspiegel in der Baugrube um rund neun Meter abgesenkt. Spundwände mit einer Länge von 23 Metern wurden eingebracht und DSV-Säulen mit bis zu 3,4 Meter Durchmessern als Gründungselemente verwendet. Um die bestehenden Kalk- und Betonblöcke zu lösen, kam ein 90 Tonnen schwerer Bagger zum Einsatz.

Bereits 2019 und 2020 wurde der erste Teil des Wehrs in der rechten Flusshälfte hergestellt. In den vergangenen zwölf Monaten folgten die Arbeiten der Porr in der linken Flusshälfte.

 

Geologische Herausforderung gemeistert: Bauen im Fluss auf schwierigen Bodenverhältnissen

Die Baumaßnahmen wurden überwiegend im Fluss bei laufendem Gewässer durchgeführt: In einer Flusshälfte wurde gebaut, während in der anderen das Wasser floss. Die Herausforderung: Bei Hochwasserereignissen liefen über 1.000 m³/s Wasser direkt an dem Baugrubenverbau vorbei. Dabei war der Wasserstand im Fluss bis zu acht Meter höher als die Arbeitsbereiche im Spundwandkasten. Sowohl die linke als auch die rechte Flusshälfte stellten mit ausbetonierten Blöcken und verschiedenen Grundwasserebenen eine große technische Herausforderung dar. Das erfahrene Expertenteam der Porr konnte diese Herausforderung sicher und gemäß dem Zeitplan bewältigen. Bis Mitte September wurden die Beton- und Erdarbeiten komplett abgeschlossen. Ende September fand der planmäßige Rückbau der Baugrubenumschließung vom Wehrfeld 1 statt und das letzte Wehrfeld wurde geflutet. Dieser Schritt stellte kurz vor der Fertigstellung der Baumeisterarbeiten eine letzte große Aufgabe dar: Innerhalb einer Woche mussten in Summe 130 Tonnen Spundwand im Fluss ausgebaut werden. Um die Spundwände zu schneiden, wurde ein temporärer Umschließungsdamm in den Inn geschüttet und das Wasser mittels Pumpen lokal abgesenkt. Anschließend wurden die Spundwände circa 1,5 Meter unter dem außenliegenden Inn-Wasserspiegel mittels Schneidbrenner abgetrennt und in Stücke geteilt.

 

Planmäßiger Abschluss: Letzte Schritte zur Inbetriebnahme

Nicht nur die Wehranlage im Wasser wurde Ende September fertiggestellt: Auch die Baumeisterarbeiten beim Betriebsgebäude sind nun planmäßig abgeschlossen. Anschließend erfolgen im Herbst 2021 sowie im Winter 2022 die Elektrifizierung und Fertigstellung des Stahlwasserbaus – jeweils gesondert beauftragt durch den Verbund. Die endgültige Fertigstellung und finale Inbetriebnahme des Gesamtprojekts sind für Herbst 2022 geplant.

Die Fertigstellung der Innkanalbrücke stellt für die kommenden Monate noch einen weiteren finalen Meilenstein für die Porr dar: Der Überbau der 130 Meter langen Straßenbrücke ist bereits abgetragen. Derzeit werden die Pfeiler erhöht. Ein neuer Überbau wird bis Ende 2021 hergestellt. Die Inbetriebnahme der Brücke ist für März 2022 vorgesehen. Abschließend werden im Frühjahr 2022 noch die Außenanlagen durch die Porr hergestellt: Zufahrtstraßen werden erneuert und asphaltiert.

 

Ein Schulterschluss-Projekt

Die Porr vereint ein breites Spektrum an erfahrenen Leistungsbereichen. In komplexen Projekten, wie der Erneuerung der Wehranlage Jettenbach, ist eine vielseitige Fachexpertise sowie Teamgeist gefragt: Der Auftragnehmer Porr GmbH & Co. KGaA, Niederlassung Saaldorf-Surheim, bündelte eine Porr-Leistungsgemeinschaft aus den Niederlassungen Salzburg, Oberösterreich, der Abteilung Bahn- und Ingenieurbau und dem Spezialtiefbau Wien. An einzelnen Detailplanungen hat das Porr Tochterunternehmen pde Integrale Planung GmbH mitgewirkt. Mit umfassendem Fachwissen und gelebtem Schulterschluss hat das Baustellenteam alle Herausforderungen und Aufgaben sicher gemeistert.

 

Mehr Power: Grüner, regionaler Strom für 200.000 Haushalte

Das Gesamtprojekt, die Erneuerung des Kraftwerks Töging-Jettenbach, wird grünen Strom für circa 200.000 Haushalte liefern. Damit soll eine Leistungssteigerung von rund 25 Prozent erreicht werden. Der Neubau des Wehrs in Jettenbach trägt einen wichtigen Beitrag zu dieser nachhaltigen und gesteigerten Energiegewinnung bei: Ein Teil des Wassers wird mit der Wehranlage aus dem Inn entnommen. Das ausgeleitet Wasser fließt dann über den etwa 23 Kilometer langen künstlichen „Innkanal“ zum Kraftwerk Töging. Das Krafthaus Töging, das derzeit ebenfalls durch die Porr neu gebaut wird, produziert dann Strom für rund 200.000 Haushalte. Nachdem das Wasser im Krafthaus Töging genutzt wurde, wird es wieder zurück in den Inn geleitet.

 

Porr GmbH & Co. KGaA

www.porr.de

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