Effizienz im Bauprozess und Arbeitssicherheit sind kein Gegensatz

Anforderungen auf Baustellen ganzheitlich lösen

Gespräch mit Wolf Christian Behrbohm, Geschäftsführer der Wilhelm Layher GmbH & Co KG, über den Deutschen Baupreis und über den Einsatz integrierter Systemlösungen und digitaler Prozesse als Mittel zur Steigerung der Arbeitssicherheit – und der Rentabilität.

THIS: Sie haben schon in früheren Jahren unseren Leistungswettbewerb für Bauunternehmen tatkräftig unterstützt, und sind auch beim aktuellen Deutschen Baupreis mit hohem Engagement dabei. Warum?

Wolf Christian Behrbohm: Wir unterstützen den Deutschen Baupreis, weil er auf einem wissenschaftlichen Ansatz basiert, weil er den teilnehmenden Unternehmen einen echten Mehrwert bietet und weil sich dort Unternehmen bewerben, die sich – ebenso wie Layher – kontinuierlich verbessern wollen und einen Fokus auf Innovation legen.

Auch thematisch haben wir Schnittmengen, und haben die gleichen Anliegen; etwa bei der Arbeitssicherheit und bei effizienten Prozessen; beides spielt nicht nur bei unseren Produkten und Services, sondern auch beim Deutschen Baupreis eine durchaus wichtige Rolle. Davon profitieren alle Beteiligten.

THIS: In welcher Hinsicht?

Wolf Christian Behrbohm: Sichere und effiziente Baustellen, sichere und effiziente Produkte, sicheres und effizientes Arbeiten sind Layher seit Jahrzehnten ein großes Anliegen, dem wir uns mit viel Engagement widmen. Und über diesen Wettbewerb, über den Deutschen Baupreis, treffen wir Gleichgesinnte. Hier können wir mit Bauunternehmen zusammenarbeiten, für die diese Themen auch besonders wichtig sind, die auch hier besonders hohe Ansprüche haben, und sich da auch kontinuierlich weiterentwickeln wollen.

THIS: Verstehen Sie Bauunternehmer oder Auftraggeber, die Effizienz und Arbeitssicherheit für einen Widerspruch halten?

Wolf Christian Behrbohm: Das Thema Arbeitssicherheit nimmt gerade in der öffentlichen Diskussion einen breiten Raum ein. Und dies völlig zurecht, denn jeder Arbeitsunfall ist einer zu viel. Ich glaube, da sind wir uns alle einig.

Um die Arbeitssicherheit nachhaltig zu steigern, sollte man das Thema unserer Meinung nach aber globaler betrachten. Denn für unsere Kunden müssen wir auch den Effizienz-Aspekt im Auge behalten – die Basis für jeden Unternehmer. Hier setzt unser Ansatz des Integrierten Systems an. Layher Gerüstsysteme bestehen aus wenigen Grundbauteilen und einem breiten Angebot an Ausbau- und Ergänzungsbauteilen. Damit lässt sich nahezu jede Anforderung auf Baustellen schnell und sicher umsetzen.

Nehmen Sie den neuen Aluminium-Träger FlexBeam, der vielfach für Hängegerüste unterhalb von Straßenbrücken zum Einsatz kommt. Bei der Montage sind durch die hohe Tragfähigkeit deutlich weniger Abhängepunkte notwendig. Dies erhöht die Sicherheit und spart Zeit – bei der Montage wie beim anschließenden Arbeiten auf dem Hängegerüst.

THIS: In welche Richtung wird sich das Thema

Arbeitssicherheit entwickeln?

Wolf Christian Behrbohm: Das ist eine sehr umfassende Frage. In den vergangenen Jahren war das Thema beispielsweise durch sehr intensive öffentliche Diskussion über einzelne Maßnahmen geprägt. Ein Beispiel ist der vorlaufende Seitenschutz bei Fassadengerüsten mit durchgehender Gerüstflucht. Das ist durchaus ein wichtiges Thema, für einen bestimmten Bereich des Bauprozesses, aber eben nicht das einzige Thema, nicht der einzige Bereich. Die Einsatzbereiche von Systemgerüsten in der Bauindustrie sind wie schon erwähnt deutlich vielseitiger.

Arbeitssicherheit, Absturzsicherheit steht bei uns ebenso wie das Thema Baustelleneffizienz an erster Stelle der Prioritätenliste. Und wirft man mal einen Blick auf eine größere Baustelle und sieht die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten, die sich mit unserem AllroundGerüst realisieren lassen, wird schnell klar, dass die Diskussion über nur eine bestimmte Maßnahme etwas zu kurz greift.

Viele Bauunternehmen erkennen die Layher-Produktvielfalt und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten auch als Chance, etwa durch die Kombination von Arbeits- und Traggerüsten in Sachen Arbeitssicherheit einen großen Schritt nach vorne zu machen.

THIS: Wie sehen diese Lösungen aus?

Wolf Christian Behrbohm: Es zeichnet sich der Trend ab, dass die Kombination aus Arbeitsgerüsten und Traggerüsten auf Basis des Integrierten Layher Systems verstärkt zum Einsatz kommen wird. Im Vergleich zu einzelnen Traggerüsttürmen bieten wir damit eine deutlich wirtschaftlichere und zugleich sicherere Lösung. Mit Serienbauteilen des AllroundGerüsts lassen sich beispielsweise Arbeitsplattformen mit entsprechenden Geländern schnell ins Allround Traggerüst TG 60 einbauen. Ausbauteile wie Konsolen erlauben es dabei, Geometrie-Anpassungen exakt und gleichzeitig materialsparend vorzunehmen. Auf diese Weise lassen sich in kürzester Zeit Technische Schutzmaßnahmen umsetzen, wie für das Ein- und Ausschalen. Das gilt übrigens auch für den Baustellenzugang.

THIS: Sie meinen den Einsatz von Treppentürmen statt

Leitern?

Wolf Christian Behrbohm: Der Treppenturm ist ein gutes Beispiel, der unter bestimmten Voraussetzungen bereits vorgeschrieben wird. Natürlich ist das Aufstellen eines Treppenturms als Gerüstzugang aufwendiger als der integrierte Leiternaufstieg. Aber auch hier sorgen unsere integrierten Systemlösungen für eine schnelle Montage.

Und die Kollegen auf der Baustelle, die diese Treppenaufgänge benutzen können, haben nur Vorteile: Sie kommen nicht nur viel schneller auf ihren Arbeitsplatz, sie können nicht nur mehr Material schneller nach oben transportieren – all das, ohne andere zu beeinträchtigen, sondern sie fühlen sich auch deutlich sicherer dabei, was ihre Produktivität erhöht. So ein Treppenturm ist nicht nur sicher, er rentiert sich auch extrem schnell.

Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ich denke, dass es kurzfristig in diese Richtung weitergeht, dass beim Zugang zu den Baustellen noch stärker auf Treppenlösungen gesetzt wird.

THIS: Gibt es neben der reinen Fokussierung auf Produkt-lösungen Aspekte, die zu Erhöhung der Arbeitssicherheit und der Effizienz ebenfalls beitragen können?

Wolf Christian Behrbohm: Das wird die Digitalisierung sein – und zwar in zweierlei Hinsicht. Zum einen ermöglichen digitale Prozesse es mir, schon in der Planungsphase alle Anforderungen mit den verschiedenen Gewerken abzustimmen und virtuell zu prüfen. Ein wichtiger Schritt zur Erhöhung der Arbeitssicherheit.

Auf der anderen Seite liegen die Vorteile der Digitalisierung auch im Hinblick auf Effizienz auf der Hand: bessere Kostenkontrolle, besseres Materialmanagement, Planungs- und Terminsicherheit und natürlich möglichst ungestörte Bauabläufe. Und hier sehen wir ganz klar, dass Bauunternehmen sich immer mehr in diese Richtung entwickeln und entwickeln wollen und dies auch von Partnern wie Gerüstbaufirmen einfordern.

THIS: Können Sie Ihren Kunden da weiterhelfen?

Wolf Christian Behrbohm: Das Thema BIM betrifft ja in erster Linie Gebäude, bzw. inzwischen auch Verkehrswege und andere Bauobjekte. Wir haben diese Grundidee für temporäre Gerüstkonstruktionen adaptiert und mit Scaffolding Information Modeling ein Konzept zur Digitalisierung gerüstspezifischer Prozesse entwickelt. Basis ist die integrierte Softwarelösung Layplan Suite – mit Modulen für jeden Bedarf. Mit „Layher SIM“ übertragen wir die Methode BIM sozusagen auf die Gerüstbauwelt. Wir können damit die gesamte Prozesslandschaft von der Planung über die Logistik bis zur Ausführung über einen digitalen Prozess begleiten.

THIS: In welcher konkreten Form unterstützen Sie Ihre Kunden bei solchen Projekten?

Wolf Christian Behrbohm: Wir unterstützen unsere Kunden sehr umfassend. Gerade während der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Layher SIM und der Layplan Suite weiter gestiegen. Wir haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Webinare sowie kundenindividuelle Online-Workshops veranstaltet und Kunden auf ihrem Weg in die digitale Zukunft begleitet. Wir machen gemeinsam mit ihnen eine Bedarfsanalyse, wie sich das Konzept SIM in ihrem Betrieb sinnvoll umsetzen lässt, wo Anknüpfungspunkte sind und begleiten sie anschließend bei der Umsetzung. Bis hin zur Veränderungskommunikation unserer Kunden – also wie Kunden ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitnehmen können, damit neue Arbeitsabläufe mittel- und langfristig auch gelebt und umgesetzt werden. Darüber hinaus bieten wir Einweisungen und Schulungen in die verschiedenen Software-Module an.

THIS: Haben Sie einen Favoriten für den Sieg beim Deutschen Baupreis?

Wolf Christian Behrbohm: Nein. Es gibt so viele tolle Bauunternehmen, da erscheint es mir vermessen, nur einen Kandidaten zu nennen. Viele unserer Kunden haben allerdings das Zeug dazu. Ich würde mich freuen, wenn alle von ihnen mitmachen, und ich würde mich freuen, wenn am Schluss einer unserer Kunden den Sprung aufs Siegertreppchen schafft. Ich drücke allen Teilnehmern die Daumen.

Wilhelm Layher GmbH & Co KG

www.layher.com

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