Die BGL – das Ordnungssystem für Baumaschinen und -geräte
Vergleichbarkeit und Transparenz in der BaupraxisUm Baugeräte kalkulierbar, vergleichbar und eindeutig beschreibbar zu machen, braucht es eine gemeinsame Systematik – die Baugeräteliste (BGL).
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Bagger, Krane, Verdichtungsgeräte oder Mischanlagen prägen das Bild jeder Baustelle. Wirtschaftlich betrachtet sind sie jedoch weit mehr als technische Hilfsmittel: Sie sind zentrale Produktionsmittel und damit ein erheblicher Kostenfaktor. Investitionen, Abschreibungen, Betriebskosten und Geräteeinsatzzeiten wirken sich unmittelbar auf Kalkulation, Angebotspreise und Projektergebnisse aus.
Damit Geräte in Angeboten, Leistungsbeschreibungen oder internen Berechnungen korrekt berücksichtigt werden können, müssen sie eindeutig beschrieben sein. Genau hier entsteht in der Praxis häufig Unschärfe. Begriffe wie „großer Bagger“ oder „mittlerer Kran“ sind interpretierbar – sie schaffen kein verlässliches, gemeinsames Verständnis. Auch Herstellerbezeichnungen helfen nur eingeschränkt weiter, denn sie beziehen sich auf konkrete Produkte und nicht auf eine allgemein gültige Leistungsdefinition.
Für wirtschaftlich belastbare Entscheidungen reicht das nicht aus. Die Branche benötigt eine nachvollziehbare, herstellerneutrale Struktur, die Geräte nicht markenbezogen, sondern leistungsbezogen beschreibt und bewertet. Nur so entsteht eine Grundlage, auf der Auftraggeber und Auftragnehmer, Kalkulatoren, Bauleiter und Controller gleichermaßen aufbauen können.
Die BGL als systematische Klassifikation
Diese Struktur bietet die Baugeräteliste. Die BGL ist ein Ordnungssystem, das Baugeräte nach klar definierten technischen Kriterien gliedert. Grundlage ist eine hierarchische Systematik: von übergeordneten Gerätegruppen bis hin zu eindeutig abgegrenzten Gerätearten. Maßgeblich sind objektive Merkmale wie Einsatzgewicht, Leistung, Tragfähigkeit oder Einsatzbereich.
Ein vereinfachtes Beispiel verdeutlicht das Prinzip. Man kann zunächst allgemein von „Transportfahrzeug“ sprechen. Darunter fällt „PKW“, darunter wiederum „PKW Kombi“. Mit jeder Stufe wird die Beschreibung konkreter und eindeutiger. Genau nach diesem Prinzip arbeitet auch die BGL – allerdings technisch präzise und auf Baugeräte bezogen. Sie entwickelt sich vom Allgemeinen zur klar definierten Geräteart und -größe.
Das Ziel ist eindeutig: Wer eine bestimmte Geräteart nennt, beschreibt damit eine definierte Leistungsfähigkeit. Alle Beteiligten sprechen über dasselbe – unabhängig von Hersteller, Modell oder unternehmensinterner Bezeichnung. Die BGL schafft damit eine gemeinsame Sprache innerhalb der Branche.
Technische Einordnung und wirtschaftliche Bezugsgröße
Neben der technischen Klassifikation enthält die BGL auch wirtschaftliche Orientierungswerte. Zu jeder Gerätegröße wird ein sogenannter „Mittlerer Neuwert“ ausgewiesen. Dabei handelt es sich um einen herstellerneutral ermittelten durchschnittlichen Beschaffungswert der gebräuchlichsten Fabrikate einer Gerätegröße. Er basiert auf einer definierten Preisbasis (aktuell 2025) und enthält Bezugskosten wie Fracht, Verpackung und Zölle; die Umsatzsteuer ist nicht berücksichtigt.
Dieser Mittlere Neuwert dient nicht als „Marktpreis“ für ein konkretes Modell, sondern als Bezugsgröße. Auf seiner Grundlage lassen sich betriebsindividuell kalkulatorische Abschreibung und Verzinsung sowie weitere wirtschaftliche Kenngrößen ableiten. Die BGL verbindet damit technische Systematik und wirtschaftliche Bewertungsbasis in einer einheitlichen Struktur.
Neutralität als Grundprinzip
Ein wesentliches Merkmal der BGL ist ihre Neutralität. Sie bevorzugt keine Hersteller und bildet keine individuellen Unternehmenspreise ab. Gerade im Verhältnis zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer oder bei der Zusammenarbeit mehrerer Unternehmen ist diese Neutralität von besonderer Bedeutung. Geräte werden leistungsbezogen beschrieben, nicht produktbezogen. Gleichzeitig steht eine einheitliche wirtschaftliche Referenz zur Verfügung, auf die sich unterschiedliche Kalkulationssysteme firmenindividuell beziehen können.
Die BGL sorgt somit für gleiche Definitionen und vergleichbare Bezugsgrößen – und genau darin liegt ihr Wert.
Was die BGL ist – und was sie nicht ist
Die BGL ist eine systematische Geräteklassifikation mit technischer und wirtschaftlicher Referenzbasis, die in Deutschland und Österreich als Branchenstandard anerkannt ist. Sie schafft eine gemeinsame begriffliche, technische und kalkulatorische Grundlage, auf der Kalkulation, Abstimmung und Dokumentation aufbauen können.
Sie ist keine Preisliste im Sinne konkreter Hersteller- oder Marktpreise einzelner Maschinenmodelle und auch kein Ausschreibungssystem. Ebenso wenig ersetzt sie unternehmensinterne Kalkulationsmodelle oder individuelle Gerätekostenrechnungen. Vielmehr bildet sie das Fundament, auf dem solche Prozesse strukturiert und nachvollziehbar organisiert werden können.
Ein System mit Geschichte
Eine erste Baugeräteliste entstand bereits im Jahr 1947. In der Phase des Wiederaufbaus bestand ein hoher Bedarf an Standardisierung und klaren Strukturen in der Bauwirtschaft. Dieses Grundprinzip – eine technisch orientierte, herstellerunabhängige Einordnung von Baugeräten – ist bis heute unverändert geblieben.
Mit der Einführung der Online-Version im Jahr 2007 wurde die BGL zusätzlich digital verfügbar gemacht und kontinuierlich weiterentwickelt. Die Systematik blieb erhalten, ihre Nutzung wurde jedoch flexibler und zeitgemäßer.
Fazit
Die BGL ist mehr als eine Liste von Geräten. Sie ist das gemeinsame Ordnungssystem der Bauwirtschaft. Indem sie Baugeräte eindeutig beschreibt und zugleich eine herstellerneutrale wirtschaftliche Bezugsgröße bereitstellt, schafft sie die Voraussetzung für Transparenz, Vergleichbarkeit und wirtschaftliche Sicherheit. Gerade in einer Branche, in der unterschiedliche Unternehmen, Systeme und Interessen aufeinandertreffen, ist eine solche gemeinsame Grundlage von zentraler Bedeutung.
