Sie befinden sich hier:

zur Übersicht
BauThemen | Baumanagement | 01.08.2018

Vom Ich zum Wir (Teil 1)

Moderne Führungskultur

Arbeit soll zukünftig vernetzter, flexibler und agiler werden. Doch das ist nur dann möglich, wenn zugleich auch an einer neuen Form von Führungskultur gearbeitet wird.

  • Abbildung: Pexels / Pixabay.com

  • Mike Fischer, 55, ist Multiunternehmer und Inhaber der bekannten Fischer Academy, eine der innovativsten und umsatzstärksten Fahrschulen Deutschlands. Der renommierte Führungs- und Mobilitätsexperte blickt auf eine fast 30-jährige Unternehmerkarriere zurück und gibt Seminare zu den Themen Führungskultur sowie Unternehmerenergie. Kontakt:

Die Bauwirtschaft boomt. Nur was nützt die beste Auftragslage, wenn Bauprojekte floppen. Platzen Termine oder werden Budgets überschritten, hat dies oft zwischenmenschliche Ursachen. Denn in Boomphasen konzentriert sich vieles auf das Thema Personal. Die Fachkräftelücke und steigende Komplexität erhöhen den Veränderungsdruck weiter. „Chefs sind nur dann erfolgreich, wenn sie ihre Mitarbeiter einbeziehen und nicht zu Befehlsempfängern degradieren“, sagt der preisgekrönte Führungsexperte Mike Fischer, auch mit Blick auf den digitalen Wandel. Der 55-jährige Multiunternehmer, Erfolgsautor und Redner weiß, wovon er spricht. Mike Fischer hat mehrere Unternehmen gegründet und an die Spitze geführt. Erst eine der umsatzstärksten Intensiv-Fahrschulen Deutschlands, die Fischer Academy aus Gera. Dann einen der beliebtesten Pizza-Lieferdienste. Und jüngst das Institut für autonomes Fahren. Aber erst musste er gehörig auf die Schnauze fallen. 1993 wurde er nach einem Kreuzbandriss operiert. „Infektion, multiples Organversagen, zwei Wochen Koma“, sagt Fischer, „alle hatten mich abgeschrieben.“ Als er nach neun Monaten Krankenhaus und Reha wieder in die Firma kam, lief es dort wie geschmiert. Das hat ihn geprägt. Bis heute! Aus den Lehren entwickelte der Thüringer ein Führungskonzept, welches losgelöst von Branche und Zweck des Unternehmens für viele Betriebe funktioniert. Einige Eckpunkte daraus stellen wir Ihnen in einer zweiteiligen Artikelserie vor.

Gebot Nr. 1: Überflüssig sein ist Chefsache

Unsere Arbeitswelt befindet sich in einer der größten Transformationen. Hierarchien fallen. Netzwerkarbeit sticht Abteilungsdenken. Die Präsenzkultur, wo nicht das Ergebnis zählt, sondern nur die Anwesenheit eines Mitarbeiters ist obsolet. Für diesen Wandel Mitarbeiter zu „coachen“, damit sie mit ihren Aufgaben wachsen, wird zur Kernaufgabe moderner Führung.

Sind dafür einfache, klare Regeln aufgestellt, dürfen Mitarbeiter eigenverantwortlich agieren, wird ein Chef plötzlich zur überflüssigsten Person. Endlich kann er das machen, wofür er da ist: AM statt IM Unternehmen arbeiten; sprich, sich um die Zukunft seiner Firma kümmern, um beste Bedingungen für Mensch und Organisation zu schaffen.

Chefs sollten ihre Mitarbeiter deshalb für wichtiger als sich selbst halten, zuhören und inspirieren können. Es geht um nicht mehr, als um den Rollenwechsel vom Leader zum Coach. Das bedeutet: weniger Steuermann, dafür mehr motivierender Beifahrer, der die Mitarbeiter begleitet und dabei unterstützt, Ziele selbst festzulegen, Erfolge zu identifizieren und diese mithilfe der eigenen Stärken zu erreichen.

Gebot Nr. 2: Teambuilding fängt beim Feedback an

Ob Trump, Erdogan oder Orban – was wir gerade in der Politik erleben, ist genau das Falsche, ein Rückschritt, weg von einer modernen Führungskultur. Erfolgreiche Unternehmen wie viele „Hidden Champions“ in Deutschland, haben längst angefangen eine WIR-Kultur – geprägt von Sinnstiftung, Autonomie, Kooperation und Vertrauen auf Augenhöhe – zu etablieren.

Das Neue lässt sich heute schon ausprobieren und muss weder aufwendig, kompliziert, noch zeitraubend sein. Versuchen Sie es bei nächster Gelegenheit doch mit einem leckeren Frühstück oder Lunch. Und verbinden Sie dieses mit einer Feedbackrunde, wo alle zu Wort kommen. Nicht nur die Günstlinge und Speichellecker, sondern auch die ehrlichen „Überzeugungstäter“, die keine Angst vor dem Äußern unbequemer Meinungen haben.

Wie Erfahrungen zeigen, braucht es erstaunlich wenige Gespräche, um zu erkennen, was ein Unternehmen über sich denkt und ob es im ICH- oder im WIR-Modus tickt. Andere Beispiele, um Gruppen zusammenzuschweißen, sind Teamevents oder Wettbewerbe, wo sich Arbeitgeber messen lassen können.

Gebot Nr. 3: Sinn schlägt Status

Kennen Sie die Geschichte: Vor vielen Jahrhunderten arbeiteten drei Maurer an den Grundmauern einer Kathedrale. Ein Passant kam vorbei und fragte die drei, was sie da tun. „Das sehen Sie doch”, erwiderte der erste mürrisch. „Ich bearbeite einen Stein.” Und der zweite Maurer, der das gleiche tat, sagte gelangweilt: „Na, ich errichte eine Mauer.” Der dritte Maurer antwortete stolz: „Ich baue eine Kathedrale.” Gib mir keinen neuen Dienstwagen. Gib mir kein neues Handy. Gib mir Sinn! Noch besser: das Gefühl, Teil einer Story zu sein, so ein weiterer Baustein der Führungskultur von morgen.

Wer sein eigenes Tun als sinnvoll erfährt, ist eher bereit, sich zu engagieren. Deutsche Unternehmen könnten pro Jahr 105 Milliarden mehr Umsatz machen, rechnet die aktuelle Gallup-Studie zur Arbeitsplatzqualität vor. Stattdessen leisten sie sich mit 70 Prozent eine große Mehrheit von Mitarbeitern, die innerlich gekündigt haben, statt Einsatzfreude an den Tag zu legen. Der Wunsch, etwas zu tun, das einen höheren Sinn als Geldverdienen hat, könnte für Architektur- oder Baubüros beispielsweise darin liegen, nachhaltige Gebäude zu konstruieren oder das Wohnen in den Städten menschlicher zu gestalten.

Gebot Nr. 4: Investieren Sie in Vertrauen!

Wer kooperativ führt, kann nicht einfach wie früher Vorgaben definieren und Ergebnisse kontrollieren; er muss vor allem eins: loslassen. Kein leichtes Unterfangen für einen Manager alter Schule und einer der schwierigsten Schritte. Wenn früher das Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ galt, ist es heute gerade andersherum. Denn Kontrolle hat tödliche Sprengkraft. Zuviel davon wird teuer und demotiviert. Es killt den Erfindergeist und führt am Ende zum Kollaps. Mehr Freiraum dagegen macht den Arbeitgeber für Mitarbeiter sexy. Und verbessert auch die stark nachgefragte Vereinbarkeit von Job und Privatleben.

Dazu passt das Bild vom Beziehungskonto, eine Metapher, die beschreibt, wie viel Vertrauen in einer Arbeitsbeziehung aufgebaut worden ist. Weil solche Investitionen nur langfristig wirken, sollte man noch heute mit den Einzahlungen anfangen. Denn zu spät ist es dafür nie.

Im zweiten und letzten teil  des Artikels, der in THIS 6/2018 veröffentlicht wird, geht es um die Gewinnung neuer Fachkräfte und die Förderung von Innovationen.

Fischer Academy GmbH

www.fischer-academy.de

Autor: Holger Dabow

Thematisch passende Beiträge

  • Angebot an Schulungen weltweit gebündelt und ausgebaut

    Die Simona AG hat mit einem Seminar für 20 tschechische Kunden in Kirn ihre neue Schulungsoffensive gestartet. Die Simona Sales Academy bündelt weltweit alle Schulungsaktivitäten für Kunden und Partner. Darüber hinaus schließt das Konzept auch die Aus- und Weiterbildung der Simona Mitarbeiter in Vertrieb und Marketing ein. „Simona hat traditionell ein umfangreiches Schulungsangebot. Mehr als 1.000...

  • Großes Interesse am Thema „Ideen für Lebensräume“

    FCN Academy erfolgreich fortgesetzt

    Die Gestaltung des urbanen Raumes hängt nicht nur von der Ästhetik des Betrachters, sondern auch von ihrer Nutzung und dem Freizeitverhalten der Bürger ab. Doch wie sollen Plätze und Freiräume innerhalb von Städten in Zukunft aussehen; welchen Einfluss haben sie auf die Gesellschaft, Ökologie und Kultur?

alle News

Media Partner

Bausuchdienst - Experten finden

Eine News von außerhalb

bausuchdienst.de ist ein auf Baurecht spezialisiertes Internetportal. Neben Fachanwälten für Bau- und Architektenrecht, Baumediatoren und Bausachverständigen bietet bausuchdienst.de auch ein Baurecht-Wörterbuch mit über 1.500 erläuterten Begriffen. Aktuelle Expertenbeiträge finden Sie im Baurecht-Forum, sowie weitere Serviceleistungen auf bausuchdienst.de

Erfolgreiches Marketing in der Baubranche

Eine News von außerhalb

Baumarketing.de stellt Ihnen umfangreiche und fundierte Informationen rund um das Thema Marketing in der Baubranche zur Verfügung. So werden Lösungswege zur Kundengewinnung außerhalb der klassischen Vertriebswege wie z.B. öffentliche Ausschreibungen ebenso aufgezeigt, wie Möglichkeiten Mitarbeiter aktiv in Ihr Marketing einzubinden.

PRINT SPECIALS

AT CRUSHING und AT SCREENING TECHNOLOGY

<a href="http://www.at-minerals.com/de/artikel/at-crushing-and-at-screening-technology_965873.html" target="_BLANK">Hier gibt es unsere Produktübersichten AT SCREENING TECHNOLOGY und AT CRUSHING TECHNOLOGY als PDF-Download.</a>


COMPUTER SPEZIAL 2/2018

COMPUTER SPEZIAL 1/2017 COMPUTER SPEZIAL behandelt neben den Themenkomplexen CAD und AVA/Projektierungssoftware für Architekten, Ingenieure und Bauhandwerker auch den Bereich Hardware und Zubehör. Als Supplement der Fachzeitschriften DBZ Deutsche Bauzeitschrift, Bauwelt, tab Das Fachmedium der TGA-Branche, Bauhandwerk und tHIS Das Fachmagazin für erfolgreiches Bauen erreicht das Heft praktisch alle an einem Bauvorhaben Beteiligte wie Architekten, Ingenieure, Firmen und Institutionen.
Laden Sie die aktuelle Ausgabe auf www.computer-spezial.de als PDF herunter

Profil Buchhandlung

Finden Sie mehr als 4000 Anbieter im EINKAUFSFÜHRER BAU - der Suchmaschine für Bauprofis!

Content Management by InterRed