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Tiefbau | Fachbeiträge | 01.08.2018

Mehr Flexibilität und höheres Tempo im Kanalbau erreicht

Wittfeld GmbH setzt beim Abwasserkanal Emscher auf Hydrauliksteifen

Im letzten Bauabschnitt erfolgt jetzt der Vortrieb in offener Bauweise. Insgesamt wird der Kanal bei seiner Fertigstellung eine Länge von 51 Kilometern aufweisen.

  • Insgesamt wird das Abwassernetz auf 51 Kilometer Länge saniert. Abbildung: Groundforce

  • Der Vortrieb wird jetzt oberirdisch betrieben. Abbildung: Groundforce

  • Der letzte Abschnitt wird in offener Bauweise betrieben. Abbildung: Groundforce

Eine eindeutige Bewertung gab jetzt Bauleiter Avan Kany auf die Frage nach seiner Einschätzung der Hydrauliksteifen und Gurtungen von Groundforce, die die Wittfeld GmbH in einem Bauabschnitt des Abwasserkanal Emscher (AKE) in der Nähe von Oberhausen zur Sicherung der offenen Baugrube einsetzt, ab: „1A!“
Im Gegensatz zum übrigen Verlauf des 51 Kilometer langen Kanalprojektes der Emschergenossenschaft, das in Tiefen bis zu 40 Meter mit Doppelrohren in Tunnelbauweise ausgeführt wurde, erfolgt jetzt im letzten Bauabschnitt zwischen Oberhausen-Holten und Biefang der Vortrieb an der Oberfläche in offener Bauweise. Insgesamt mussten im Vorlauf 190.000 Tonnen Erdreich ausgehoben werden. Anschließend werden 1300 rechteckige Kastenprofile in Doppelkammerbauweise mit 5,60 Meter Breite, 3,25 Meter Länge und 2,70 Meter Höhe auf der Trasse verlegt.
Nach der Fertigstellung im Jahr 2020 wird der Kanal eine Länge von 51 Kilometer aufweisen und von Dortmund-Mengede quer durch das Ruhrgebiet bis zum Klärwerk nach Dinslaken führen. Konzipiert ist der Kanal als Abwasser-Schlagader und soll das Schmutzwasser der Region aufnehmen, das zurzeit noch teilweise in die Emscher und ihre Nebenflüsse geleitet wird. Der Gesamtaufwand des auf 30 Jahre ausgelegten Generationenprojektes Emscher-Umbau umfasst mehr als 400 Kilometer unterirdischer Kanäle und erfordert Investitionen von rund 5,3 Milliarden Euro.
Für die Sicherung der Ausschachtungen im Bauabschnitt bei Oberhausen plante die Firma Wittfeld hydraulische Aussteifungen und Gurtungen der Firma Groundforce. Allerdings war die spätere Begeisterung für ein neues Verbausystem mit hydraulisch verspannten Komponenten bei den Verantwortlichen zunächst verhalten, da bisher die Erfahrung mit dem System fehlte.

Die Wittfeld GmbH ist ein mittelständisches Traditionsunternehmen mit Stammsitz in Wallenhorst, das sich auf komplexe Infrastrukturprojekte spezialisiert hat und seit 2004 als Tochterunternehmen zum international tätigen Eiffage Konzern gehört. Seit Jahrzehnten hat sich das Unternehmen mit zahlreichen Projekten im nahezu allen Bereichen des Bausektors einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Allerdings hatte man im Tief- und Kanalbau bisher immer auf traditionelle Verbausysteme mit konventionellem Stahlbau gesetzt und diese Verfahren im Laufe der Zeit technisch und logistisch für den eigenen Bedarf optimiert.
Wie Jan Borgmann vom Vertrieb Nord bei Groundforce erklärt, war hier zunächst ein Stück Überzeugungsarbeit zu leisten: „Die Ingenieure hatten noch keine Erfahrungswerte mit unserem System und waren zunächst skeptisch, was die Vorteile unserer Hydrauliksteifen und Gurtungen angeht. Wir haben daher zunächst einen Test durchgeführt, bei dem die Baugrube mit einer Trägerbohlwand verbaut und auf einer Strecke von 70 Metern mit Hydrauliksteifen vom Typ MP150 und einer entsprechenden Menge von Mega Brace Gurtungen ausgesteift wurde. Danach wurden die Kastenprofile in die Trasse eingebracht.“
Dazu sagt Avan Kany, verantwortlicher Bauleiter für den Bereich Tiefbau bei Wittfeld: „Allerdings haben wir schon nach den ersten Kastenprofilen bemerkt, dass die hydraulisch verspannten Groundforce Steifen für uns enorme Vorteile bieten. Im Vergleich zum konventionellen Stahlverbau sind wir mit den neuen Stützen flexibler und beweglicher geworden. Das System ist völlig unkompliziert und funktioniert nach kurzer Einarbeitung problemlos und zuverlässig. Wir haben von Groundforce mit den Systemkomponenten auch gleich die entsprechende Statik bekommen und konnten so, wenn nötig, beim Einsetzen der Betonprofile innerhalb der Maße kurzfristig Stützen im Verbau versetzen oder neu ausrichten. Das alles nur mit der mitgelieferten Hydraulikpumpe, ohne Schweißen oder Trennen“.
Ein durchaus willkommener Nebeneffekt war der enorme Zeitgewinn, der durch die rotierende Verwendung der Hydrauliksteifen in der klassischen Wanderbaustelle erzielt wurde. Im Vergleich zum Verschweißen und Auftrennen der Stützen und Gurtungen im Stahlbau ist das Einsetzen und Ausbauen der Groundforce Steifen eine Sache von Minuten. Insgesamt waren für die Ausführung der bisherigen Arbeiten lediglich 17 MP150 Hydrauliksteifen und 136 Meter Mega Brace Gurtungen ausreichend.
Für Groundforce General Manager Nedim Cetin bemisst sich die Bedeutung des Projekts in diesem Fall nicht an der Größe des Auftrags, sondern an der besonderen Aufgabenstellung: „Für uns ist es besonders wichtig, dass wir ein namhaftes Unternehmen wie Wittfeld, das sich bisher vollständig auf traditionelle Verbausysteme gestützt hat, von den Vorteilen unseres Systems überzeugen konnten. Ein skeptischer, weil fachkundiger Kunde, ist eine besondere Herausforderung. Aber genau das hilft uns letztlich, unser System immer weiter praxisgerecht zu verbessern und bedarfsgerecht anzupassen. Ein weiterer Bonus ist natürlich die Mitwirkung an einem Projekt wie dem Abwasserkanal Emscher, das wegen seines enormen Aufwandes, der technischen Herausforderungen und nicht zuletzt wegen seines Beitrags zur Renaturierung der Gewässer bereits heute zu den Jahrhundertbauwerken der Region zählt.“

Vp GmbH Groundforce

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